Das Schaumburger Wochenblatt hat darüber berichtet, dass Mike Schmidt seine erneute Kandidatur als Samtgemeindebürgermeister für Nenndorf, im Herbst dieses Jahres, zurückgezogen hat.
Nach entsprechenden Reaktionen der Leserinnen und Leser zu urteilen, ist man sehr daran interessiert, mehr über die entscheidenden Beweggründe zu erfahren. Dazu haben wir mit Mike Schmidt ein Gespräch geführt. Denn diese Entscheidung, die auf den ersten Blick nur als eine Entscheidung über ein Ja oder Nein für ein kommunalpolitisches Amt erscheinen könnte, ist eine Lebensentscheidung.
Diese Entscheidung ist Mike Schmidt auf keinen Fall leichtgefallen. Das wird im Gespräch schnell deutlich.
Nach Bekanntgabe seiner erneuten Kandidatur habe er zunächst noch zahlreiche Gespräche geführt. Auch im privaten Bereich. Sein 50. Geburtstag habe dabei auch eine Rolle gespielt.
„Ich bin schließlich zum Ergebnis gekommen: wenn ich noch jemals etwas anderes machen möchte, dann geht das jetzt. Denn die neue Amtszeit würde über den Zeitraum von weiteren acht Jahren gehen. Dann wäre ich 58 Jahre. Dann geht ein Neuanfang nicht mehr so.“
Einen weiteren persönlichen Grund, sieht er in der großen Belastung durch das Amtes. „Das permanente Engagement, das Laufen auf über 100 Prozent, seit 12 Jahren, das hat natürlich stückweit auch Spuren bei mir hinterlassen. Das darf man an dieser Stelle sicherlich auch mal so sagen. – Es ist von daher gesehen vielleicht auch an der Zeit, an sich selbst zu denken – und dann tatsächlich etwas anderes zu machen.“
Er sei in all den Jahren immer ansprechbar gewesen, erklärt er. Er kommuniziere auch weiterhin auf allen Plattformen, um alles transparent zu machen und Diskussionsfläche anzubieten. Das gehöre zu seinem Verständnis von Politik. Doch von den Menschen werde es nicht so angenommen, wie er es erwartet hätte.
„Ich gebe Antworten und machen und tue, und dabei habe ich den Eindruck, dass es viele Leute eigentlich gar nicht mehr so richtig interessiert. Dass sie sich gar nicht mehr mit den Informationen beschäftigen, sondern lieber rumpöbeln.“
Da habe er sich gefragt, ob die Menschen nur noch denken, „dass in der Verwaltung nur noch Bekloppte arbeiten?“ – Hinzu kämen immer wieder aufgebrachten Gerüchte. Nach dem Erleben, so Schmidt weiter erklärend, müsse man sich hinterfragen, was man noch tun könne, um mit Präsenz und Transparenz auch diese Menschen zu erreichen.
„Und vielleicht kann das jemand besser für die Stadt und die Samtgemeinde, als ich das gemacht habe. Mir hat es auf jeden Fall sehr schwer zu denken gegeben“, spiegelt er enttäuscht wider.
Auch durch die Umfrageergebnisse zum Heimatcheck in dieser Zeitung, habe er sich in seiner Beobachtung und letztlich in seiner Entscheidung bestätigt gesehen. „Dementsprechend habe ich für mich entschieden: Okay, dann möchte ich vielleicht doch noch etwas anderes machen.“
Zu seinen Entscheidungskriterien gehöre auch seine persönliche Feststellung, dass er sehr viel erreicht habe. So zum Beispiel in den Bereichen Feuerwehr, Kindergärten, Stadtentwicklung. Und weil die meisten Projekte fast umgesetzt beziehungsweise am Laufen sind, werde die nächste Amtszeit eine Zeit des Gestaltens werden, so seine Erwartung. „Aber ich bin nicht derjenige, der sich hier acht Jahre hinsetzt und nur verwaltet. Ich brauche Projekte, ich muss gestalten können. So hat man mich auch kennengelernt.“
Sein guter Kontakt zur Verwaltung und Politik bleibe bestehen. Daher habe er vor für den Stadtrat zu kandidieren. „Denn die Stadt liegt mir sehr am Herzen.“
Andere, weitere Ämter strebe er nicht an. Auch nicht außerhalb der Samtgemeinde, widerspricht er entsprechenden Gerüchten. „Ich strebe nicht an, Bürgermeister der Stadt Bad Nenndorf zu werden. Was ich mir vorstellen kann, was dann aber eine Entscheidung der Politik ist, dass ich Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat werden könnte.“ Auch eine Landtagskandidatur spiele für ihn derzeit keine Rolle. Er führe zurzeit ausschließlich Gespräche im Bereich der freien Wirtschaft. Er könne aber nicht ausschließen, dass er „irgendwann, irgendwie vielleicht, noch einmal etwas anderes politisch mache. Aber das habe jetzt nichts mit der Entscheidung gegen eine erneute Kandidatur Samtgemeindebürgermeister zu tun“, betont er ausdrücklich.
Gerüchte, die davon sprechen, dass er auch aus der CDU austreten wolle, träfen gar nicht zu und seine frei erfunden. „Das tue ich nicht. Wie gesagt, ich will ja auch für die CDU im Stadtrat kandidieren.“ Es ist eine reine persönliche Entscheidung, die er bittet zu akzeptieren. Jetzt freue er sich auf die „sensationelle Landesgartenschau in Bad Nenndorf“.