Sein ständiger Begleiter: Der Geruch des Todes | Schaumburger Wochenblatt

Sein ständiger Begleiter: Der Geruch des Todes

Dennis Pape-Lange hat sich den Beruf des Tatortreinigers ausgesucht und bekennt: „Es ist herausfordernd, macht mir aber Spaß!” (Foto: ste)
Dennis Pape-Lange hat sich den Beruf des Tatortreinigers ausgesucht und bekennt: „Es ist herausfordernd, macht mir aber Spaß!” (Foto: ste)
Dennis Pape-Lange hat sich den Beruf des Tatortreinigers ausgesucht und bekennt: „Es ist herausfordernd, macht mir aber Spaß!” (Foto: ste)
Dennis Pape-Lange hat sich den Beruf des Tatortreinigers ausgesucht und bekennt: „Es ist herausfordernd, macht mir aber Spaß!” (Foto: ste)
Dennis Pape-Lange hat sich den Beruf des Tatortreinigers ausgesucht und bekennt: „Es ist herausfordernd, macht mir aber Spaß!” (Foto: ste)

Wenn das Blaulicht erloschen ist, die Spurensicherung ihre Arbeit beendet und die Kriminalpolizei den Ort freigegeben hat, beginnt die Arbeit derer, die hinter den Kulissen für Ordnung sorgen. Die Tatortreinigung ist ein Beruf, der in der Öffentlichkeit oft mit einer Mischung aus Schaudern und Faszination betrachtet wird. Ein realer Einblick in diese anspruchsvolle Branche zeigt sich am Beispiel von Dennis Pape-Lange, der von Rinteln aus im Raum Bielefeld, Hannover, Paderborn, Münster und weit über das Weserbergland hinaus arbeitet. Seine Arbeit verdeutlicht die Kluft zwischen dem harten, oft psychisch belastenden Alltag und der popkulturellen Darstellung durch Kultfiguren wie „Schotty“ aus der NDR-Serie „Der Tatortreiniger“.

Entgegen der landläufigen Meinung, Tatortreiniger würden ausschließlich nach Gewaltverbrechen gerufen, macht dieses nur einen Bruchteil der tatsächlichen Arbeit aus. Das Unternehmen von Dennis Pape-Lange in Rinteln deckt vielmehr ein breites und hochspezialisiertes Spektrum ab, von Tatortreinigung über Entrümpelungen, Reinigung von Messie-Wohnungen, Fäkalbeseitigung und mehr. Ein Teil der Einsätze betrifft die Leichenfundortreinigung nach natürlichen Todesfällen, Suiziden, oder auch Straftaten, bei denen der Leichnam manchmal über Tage, Wochen oder gar Monate unentdeckt blieb. Dabei gibt es Fälle, bei denen der Tod eines Menschen auch eng mit Verwahrlosung verknüpft ist, sodass auch das Räumen und Desinfizieren von extrem vermüllten Messie-Wohnungen oder Orten unkontrollierter Tierhaltung, dem sogenannten Animal Hoarding, zum Alltag gehört. Zudem erfordert die Spezialdesinfektion und Entwesung, also die Bekämpfung von biologischen Gefahren, Infektionsherden sowie Schädlingen wie Maden, Fliegen und Käfern, ein fundiertes Fachwissen. Deshalb absolvierte Pape-Lange auch einen Lehrgang und hält engen Kontakt zu einem Tatortreiniger in Stuttgart zum Erfahrungsaustausch.

Hart an der Grenze des Belastbaren

Die Arbeit eines Tatortreinigers bewegt sich stets an den Grenzen der menschlichen Belastbarkeit und ist von vielschichtigen Herausforderungen geprägt. Dazu gehören in erster Linie biologische und chemische Gefahren. Blut, Gewebeteile und Körperflüssigkeiten sind potenzielle Träger von Krankheitserregern wie HIV, Hepatitis oder Tuberkulose. Aus diesem Grund hält sich Dennis Pape-Lange strikt an die Devise: Eigenschutz ist das A und O! Seine Kleidung deshalb bei vielen Einsätzen: Infektionsschutzanzug, Atemschutzmaske und spezielle Schutzhandschuhe: „Selbst im Hochsommer bei 35 Grad in einer Dachgeschosswohnung”, so Pape-Lange. Dabei gilt: „Viel trinken, immer wieder Pausen machen und sich nicht selbst überschätzen!” Die Herausforderung dabei ist auch, dass Pape-Lange derzeit noch alleine arbeitet.

Verwesung stinkt zum Himmel

Eine weitere große Herausforderung stellt die Geruchsneutralisation und Tiefenreinigung dar. Der Verwesungsgeruch ist extrem penetrant und setzt sich in allen porösen Materialien fest, weshalb einfaches Wischen bei weitem nicht ausreicht. Manchmal müssen sogar Tapeten und Böden entfernt werden. Danach setzt der Profi auf moderne Verfahren wie die Ozonisierung oder spezielle Enzymreiniger zur Geruchsneutralisation.

Ein Beruf mit emotionalen Herausforderungen

Neben den handwerklichen Aspekten spielt die psychische und soziale Komponente eine tragende Rolle. Diskretion ist das oberste Gebot. „Man darf die Sachverhalte nicht an sich herankommen lassen und muss die Arbeit sehen, nicht die Tragödien dahinter!” Das jedoch zu trennen fällt manchmal schwer. Beispielsweise war Pape-Lange auch zur Reinigung des Tatorts in Steinbergen beim Doppelmord vor wenigen Wochen eingesetzt. Besonders Gewaltverbrechen wie diese zehren an den Nerven des Tatortreinigers, aber auch, wenn Kinder direkt oder indirekt betroffen sind.

Die Realität hat nichts mit „Schotty” zu tun

Wer an den Beruf des Tatortreinigers denkt, hat unweigerlich das Bild von Heiko „Schotty“ Schotte, gespielt von Bjarne Mädel, vor Augen. Die Serie „Der Tatortreiniger“ hat das Berufsbild überhaupt erst im kollektiven Gedächtnis verankert, doch zwischen der Fiktion und der Realität eines echten Rintelner Tatortreinigers wie Dennis Pape-Lange gibt es deutliche Unterschiede. Während Schotty sich in der Serie meist in philosophische, skurrile und humorvolle Gespräche mit Hinterbliebenen oder exzentrischen Gestalten am Fundort verwickelt und die Reinigung eher zur Nebensache wird, steht in der Realität eine harte, strikt getaktete und körperlich extrem anstrengende Arbeit unter strengen Arbeitsschutzauflagen im Vordergrund. Auch bei der Ausrüstung unterscheidet sich das Fernsehen drastisch von der Wirklichkeit. Sieht man Schotty oft nur mit einer einfachen Maske, einem Putzeimer, Schrubber und einer Sprühflasche agieren, so geht in der Realität ohne schwere Schutzausrüstung, Ozongeneratoren, speziell gelisteten Desinfektionsmitteln und professioneller Entsorgungswege gar nichts. Dennoch: Wenn am Ende der Auftrag erledigt ist und bei der Endabnahme die Erleichterung der Auftraggeber zu spüren ist, dann ist das für Dennis Pape-Lange eine tiefe Befriedigung. Auch seine Familie steht hinter seiner Arbeit: „Dabei war meine Frau am Anfang skeptisch, weil ich Dreck an den Fingern immer schon gehasst habe!” Doch seine Schutzausstattung garantiere ihm saubere Finger und sorge am Ende auch für seine Gesundheit: „Mir macht meine Arbeit einfach Spaß”, so Pape-Lange.


Meine Frau war am Anfang skeptisch, weil ich Dreck an den Fingern immer schon gehasst habe! Aber mir macht mein Beruf Spaß!

Tatortreiniger Dennis Pape-Lange


Sonja und Stephan Weichert
Sonja und Stephan Weichert
Freie Journalisten
north