Sirenen heulen, Handys vibrieren | Schaumburger Wochenblatt

02.09.2026 14:01

Sirenen heulen, Handys vibrieren

NINA-App. (Foto: NINA)
NINA-App. (Foto: NINA)
NINA-App. (Foto: NINA)
NINA-App. (Foto: NINA)
NINA-App. (Foto: NINA)

Am Donnerstag, 10. September, wird es in Schaumburg laut: Pünktlich um 11 Uhr startet der bundesweite Warntag – ein großer Test für alle Warnsysteme in Deutschland. In vielen Orten des Landkreises heulen Sirenen, auf Smartphones erscheinen Warnmeldungen, Radio und Fernsehen unterbrechen ihr Programm.

„Warnmix“ aus Sirenen, Apps und Cell Broadcast

„Der Warntag ist eine wichtige Maßnahme für den Bevölkerungsschutz“, erklärte Astrid Otto, Kreisrätin und Dezernentin in der Kreisverwaltung Schaumburg, die uns auf Anfrage einmal die wichtigsten Fakten zum Warntag erläuterte. Im Landkreis setze man dabei bewusst auf einen „Warnmix“: Es werde sowohl über die Sirenen vor Ort als auch über Cell Broadcast und über Warn-Apps wie NINA, KATWARN und BIWAPP gewarnt. Die Verbreitung der Apps könnte in Schaumburg aber wesentlich besser sein. Noch nicht viele Handynutzer kennen die wichtigen Aufgaben der Apps.

Doch was soll dieser Warnmix eigentlich? Es wird so gewährleistet, möglichst viele Menschen zu erreichen und das möglichst barrierearm. Der Landkreis hat nach eigenen Angaben bisher 101 Sirenen so ertüchtigt, dass sie nicht nur Feuer melden können, sondern auch allgemeine Warnungen – etwa bei Hochwasser oder anderen Gefahrenlagen – und zudem eine Entwarnung signalisieren. Damit sind drei verschiedene Signaltöne im Einsatz, die sich unter anderem auf der Website des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) anhören lassen. Die Sirene kann man aber in den weiten Flächen des Landkreises nicht überall hören.

Drei Töne, drei Botschaften

Wer die Sirenen hört, erkennt an der Tonfolge, worum es geht:

- Feueralarm (Alarmierung der Feuerwehr): Dreimal je ein kurzer, gleichbleibender Dauerton, unterbrochen von Pausen. Typisch sind etwa 3 × 12 Sekunden Ton mit je rund 12 Sekunden Pause dazwischen. Dieses Signal dient vorrangig der Alarmierung der Einsatzkräfte der Feuerwehr und ist keine direkte Warnung der Bevölkerung.

- Warnung der Bevölkerung: Ein einminütiger, auf- und abschwellender Heulton. Der Ton wird innerhalb der Minute mehrfach lauter und leiser, wellenförmig. Er weist auf eine akute Gefahr hin – etwa Großbrand, Chemieunfall oder Unwetter. Die Bevölkerung soll sich dann in geschlossene Räume begeben, Fenster und Türen schließen, Radio oder Warn-Apps einschalten und außerhalb der Notrufnummern nicht telefonieren.

- Entwarnung: Ein einminütiger, gleichbleibender Dauerton, konstant ohne Schwankungen. Er signalisiert: Die Gefahr ist vorbei.

So läuft der Warntag ab

Gegen 11 Uhr löst das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Probewarnung über das Modulare Warnsystem (MoWaS) aus. Von dort geht die Meldung an zahlreiche angeschlossene Warnkanäle: Warn-Apps wie NINA, BIWAPP oder KATWARN, digitale Anzeigetafeln, Radio- und Fernsehsender und an die Mobilfunknetze für Cell Broadcast. Parallel dazu testen viele Kommunen ihre eigenen Warnmittel. In Schaumburg werden, wo technisch möglich, Sirenen ausgelöst. Gegen 11.45 Uhr erfolgt die Entwarnung – ebenfalls über Sirenen, Apps und andere Kanäle. Die Entwarnung über Cell Broadcast befindet sich übrigens erst in der Erprobung.

Cell Broadcast: So kommt die Warnung aufs Handy

Über Cell Broadcast erhalten möglichst viele Menschen in Deutschland gleichzeitig eine Warnmeldung direkt auf ihr Smartphone, und zwar ohne, dass eine App installiert sein muss. Damit die Nachricht ankommt, muss das Gerät eingeschaltet sein, sich im Mobilfunknetz befinden und aktuelle Betriebssystem-Updates installiert haben. Ältere Handys können die Meldung zum Teil nicht empfangen; eine Liste kompatibler Geräte und Hinweise der Netzbetreiber finden sich auf der BBK-Website (www.bbk.bund.de).

Nicht überall gleicher Ton

Im Landkreis Schaumburg sind nach Angaben der Kreisverwaltung große Teile der Sirenen bereits für den Warntag ertüchtigt und können am 10. September ausgelöst werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: Wie in den Vorjahren ertönen in den Samtgemeinden Nenndorf, Lindhorst und Niedernwöhren keine Sirenen. Auch in der Stadt Bückeburg wird kein Warnton zu hören sein, da dort lediglich der Feuerwarnton wiedergegeben werden kann. In allen anderen genannten Bereichen wurden die Sirenen bereits entsprechend angepasst.
Dass nicht alle Kommunen schon mit angepassten Sirenen warnen, ist natürlich eine Kostenfrage. Die Verantwortung obliegt den Kommunen, und so müssen sie schauen, wann so eine Haushaltsausgabe möglich ist, um neue Technik anzuschaffen. Wo es auch mit alter Technik möglich war, hat der Landkreis mit seinem Team in den letzten Monaten noch zahlreiche Sirenen überarbeitet und neu programmiert.

Warnungen kommen über viele Kanäle

Neben Sirenen und Handy-Warnungen erreichen Meldungen im Ernstfall die Bevölkerung auch über weitere öffentliche Kanäle: TV, Radio, Warn-Apps, Cell Broadcast und zunehmend auch über Stadtinformationstafeln, zum Beispiel in Hannover auch in den Bussen und Bahnen. Dieser Mix soll sicherstellen, dass möglichst viele Menschen schnell und zuverlässig informiert werden. Der jährliche Warntag am zweiten Donnerstag im September dient dazu, die verschiedenen Warnsysteme zu testen und die Bevölkerung für das Thema Warnung und Eigenvorsorge zu sensibilisieren. Der Test zeigt, wo alles reibungslos funktioniert – und wo noch nachgebessert werden muss. Weitere Informationen zum bundesweiten Warntag, auch in mehreren Sprachen und in Deutscher Gebärdensprache, bietet die Website www.bundesweiter-warntag.de.

NINA Warn-App

Der Vorteil der NINA-App: Sie informiert schnell und amtlich über Gefahren in der eigenen Umgebung – zum Beispiel bei Unwettern, Hochwasser, Großbränden oder anderen Krisenlagen. Die Warnungen enthalten meist auch konkrete Verhaltensempfehlungen. Betrieben wird NINA vom Bund. In Schaumburg wird sie noch verhältnismäßig wenig genutzt, dabei bietet die App vielfältige Informationen nicht nur im konkreten Warnfall. Der Download ist kostenlos (unter www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Warn-App-NINA/warn-app-nina_node.html).


    Nadine Dressler
    Nadine Dressler
    Redakteurin Schaumburger Wochenblatt.

    Nadine Dressler ist seit Anfang 2024 als Redakteurin beim Schaumburger Wochenblatt tätig. Sie betreut schwerpunktmäßig die redaktionellen Belange der Bereiche Bückeburg, Obernkirchen, Auetal und Bad Eilsen. Vereine und Initiativen können können ihre Pressemitteilungen gern direkt an n.dressler@schaumburger-wochenblatt.de senden.
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