Am 13. September wird in Niedersachsen gewählt. Dann stehen in den Städten, Gemeinden und Landkreisen neue kommunale Vertretungen zur Wahl, im Landkreis Schaumburg zudem das Amt der Landrätin oder des Landrats. In Wunstorf wird außerdem über das Bürgermeisteramt entschieden. Doch wie groß ist das Interesse an der Kommunalwahl tatsächlich? Der Heimat-Check des Schaumburger Wochenblatts und des Wunstorfer Stadtanzeigers zeichnet ein deutliches Bild: Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist die Bereitschaft zur Stimmabgabe hoch. Gleichzeitig gibt es eine beachtliche Gruppe, die sich mit einem Wahlgang offenbar nicht anfreunden kann.
1.618 Wahlberechtigte aus dem definierten Verbreitungsgebiet haben sich an der Umfrage beteiligt. Auf einer Skala von eins bis fünf sollten sie einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie bei der Kommunalwahl 2026 wählen gehen. Die höchste Zustimmung erhält dabei die Antwort „sehr wahrscheinlich“: 71 Prozent der Befragten entscheiden sich für diese Kategorie. Weitere sechs Prozent halten es für eher wahrscheinlich, am Wahltag ihre Stimme abzugeben. Zusammen äußern damit 77 Prozent eine positive Wahlabsicht (siehe Grafik). 2021 lag die tatsächliche Beteiligung bei den Kommunalwahlen bei grob 57 Prozent, 2016 bei grob 56 Prozent), Der Durchschnittswert liegt bei 4,1 von fünf möglichen Punkten.
Das ist zunächst ein starkes Signal für das politische Interesse in der Region. Die Kommunalwahl wird von vielen Menschen offenbar nicht als fernes, abstraktes Ereignis wahrgenommen. Vielmehr geht es um Entscheidungen, die sich im Alltag bemerkbar machen: um Wohnraum und die Entwicklung von Innenstädten und Dörfern, Arbeitsplätze und die Zukunft des Standorts, Sicherheit, Kitas und Schulen oder den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Genau diese Themen stehen bei der Frage nach den wichtigsten Kriterien für die Wahlentscheidung vorn.
Mit 40 Prozent ist Wohnen sowie die Stadt- und Dorfentwicklung das meistgenannte Thema. Dahinter folgen Wirtschaft und Zukunft mit 35 Prozent. Sicherheit und Alltag, Bildung sowie Zusammenhalt und Demokratie liegen mit jeweils 33 Prozent gleichauf. Damit richtet sich der Blick der Befragten stark auf die unmittelbare Lebensqualität vor Ort. Klima-, Umwelt- und Flächenschutz nennen 26 Prozent, Mobilität und öffentlicher Nahverkehr 24 Prozent. Gesundheit und Pflege erreichen 23 Prozent, Digitalisierung und Verwaltung 20 Prozent. Tourismus und Standortattraktivität stehen mit sieben Prozent deutlich weiter unten auf der Prioritätenliste.
Gerade die Themen Gesundheit und Verwaltung zeigen, wo die Befragten Handlungsbedarf sehen. Die Notfall- und Krankenhausversorgung wird vergleichsweise positiv bewertet: 47 Prozent stimmen der Aussage zu, sie sei gut erreichbar und zuverlässig. Bei der zeitnahen Versorgung durch Haus- und Fachärztinnen und -ärzte sind es dagegen nur 30 Prozent. Noch kritischer fällt der Blick auf Pflegeangebote und die Unterstützung pflegender Angehöriger aus, die lediglich 22 Prozent als ausreichend ansehen. Nur sieben Prozent meinen, die Region tue genug gegen den Fachkräftemangel in Gesundheit und Pflege. Solche Werte machen deutlich, dass sich die Wahlentscheidung nicht allein an allgemeinen politischen Debatten orientieren dürfte, sondern vor allem an konkreten Erwartungen an die Kommunalpolitik.
Auch beim Thema Verwaltung ist die Kluft zwischen vorhandener Infrastruktur und dem empfundenen Service groß. Immerhin 63 Prozent bewerten Internet und Mobilfunk am Wohnort als zuverlässig. Doch nur 20 Prozent sind der Meinung, wichtige Behördengänge ließen sich einfach digital erledigen. Ebenfalls nur 20 Prozent sehen kommunale Entscheidungen und Vorhaben transparent kommuniziert. Die Ergebnisse liefern damit zugleich Themen, bei denen Kandidatinnen, Kandidaten und Parteien im Wahlkampf erklären müssen, welche Lösungen sie anbieten wollen.
Neben der hohen Zahl der Wahlwilligen enthält die Umfrage allerdings auch einen Warnhinweis. 20 Prozent der Befragten sagen, es sei sehr unwahrscheinlich, dass sie zur Wahl gehen. Zwei Prozent halten ihre Teilnahme für eher unwahrscheinlich, weitere zwei Prozent sind unentschieden. Insgesamt beantwortet somit mehr als ein Fünftel der Teilnehmer die Frage nicht eindeutig positiv. Das heißt nicht automatisch, dass diese Menschen am 13. September tatsächlich zu Hause bleiben werden. Es zeigt aber, dass Mobilisierung weiter eine wichtige Aufgabe bleibt.
Eine zentrale Rolle spielen dabei weiterhin klassische journalistische Medien. 58 Prozent informieren sich zur Kommunalwahl über das Schaumburger Wochenblatt oder den Wunstorfer Stadtanzeiger, 56 Prozent über Tageszeitungen. Gespräche im privaten Umfeld nennen 41 Prozent, Wahlprogramme, Flyer und Plakate 40 Prozent. Öffentlich-rechtliche Medien folgen mit 37 Prozent. Soziale Medien nutzen 27 Prozent für Informationen zur Kommunalwahl, doch beim Vertrauen liegen sie mit sieben Prozent weit hinter den etablierten Medien. Das größte Vertrauen genießen Tageszeitungen mit 45 Prozent, gefolgt vom Schaumburger Wochenblatt beziehungsweise Wunstorfer Stadtanzeiger mit 38 Prozent und öffentlich-rechtlichen Angeboten mit 36 Prozent.
Fazit
Dabei sollte die Auswertung sorgfältig eingeordnet werden. Der Heimat-Check ist eine freiwillige Befragung und keine repräsentative Wahlprognose. Wer an einer regionalen Online-Umfrage teilnimmt, interessiert sich möglicherweise stärker für lokale Fragen und die anstehende Wahl als andere Wahlberechtigte. Die 77 Prozent positive Wahlabsicht lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf die tatsächliche Wahlbeteiligung übertragen. Sie zeigen jedoch: Unter den Menschen, die ihre Meinung im Heimat-Check abgegeben haben, ist das Interesse an der kommunalen Politik deutlich vorhanden.