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Josephine Lühring ist eine erfahrene Kickboxerin und leitet die Trainings für geflüchtete Menschen in der Sporthalle Kerschensteinerweg. (Foto: ste)

Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Disziplin

Am Donnerstag Abend ist die Sporthalle an der Flüchtlingsunterkunft Kerschensteinerweg gut gefüllt. Hintergrund ist, dass ein im vergangenen Jahr erfolgreiches Projekt von Boxtraining für geflüchtete Menschen wieder aufgenommen werden soll. Dazu hat sich ein breites Bündnis an Akteuren der Stadt Rinteln mit Integrationsbeauftragter Petra Uhe, des Landkreises Schaumburg mit dem Vertreter Björn Richter als Koordinator für Unterkünfte für geflüchtete Menschen, der AWO mit dem Beratungsteam Bilal Sanchez, Hammadi Hammami und Jaqueline Spenst, der Diakonie, vertreten durch Jule Sareyka sowie dem „Pro Fighting Gym“ aus Stadthagen mit Trainerin Josephine Lühring und Erkan Kaya als Vorsitzenden des Vereins zusammengefunden. Ziel des immer donnerstags stattfindenden Trainings ist es, ein sportliches Angebot zu machen, welches sowohl Spaß, Disziplin, Struktur und auch Selbstwert vermitteln kann. Kickboxen, das wird schnell klar, ist dafür gut geeignet. Die Sportart fördert bei jungen Menschen Körper und Geist, stärkt Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit, ist gut für das Selbstbewusstsein, baut Stress ab und – die wohl wichtigste Tugend – vermittelt ein hohes Maß an Disziplin bei gleichzeitiger Verbesserung der Konzentration. Das wird beim ersten Probetraining sehr deutlich, denn Josephine Lühring, selbst eine kampferfahrene Kickboxerin, forderte nicht nur körperlich die Teilnehmenden, sondern verlangte auch ein hohes Maß an Disziplin. Teilnehmen können an dem bis Jahresende laufenden Sportkurs allerdings nicht nur Männer, auch für Frauen ist der Kurs offen und es finden gemischte Trainings statt.
Ein starkes AWO-Team mit Hammadi Hammami, Heidemarie Hanauske, Bilan Hassan Sanchez, BKK 24 Regionalleiter Dennis Busch, Jacquelin Spenst, Anna Henke, Box-Champion Piergiulio Ruhe, Göksel Bahcetepe und Viktor Ostwald freut sich über die ersten Box-Interessierten.  (Foto: ste)

Boxen soll die sozialen Tugenden stärken

Seit 2014 betreut die AWO im Auftrag des Landkreises Schaumburg geflüchtete Menschen und seit 2017 kooperiert sie mit der BKK 24 im betrieblichen Gesundheitsmanagement und in der Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten. Jetzt konnte für ein neues Projekt eine Zusammenarbeit zwischen AWO, BKK 24 und dem Rintelner Box-Champion Piergiulio Ruhe vereinbart werden. Ziel des Angebots von Boxtraining ist es, die ...sozialen Tugenden“ zu stärken, so Heidemarie Hanauske als Geschäftsführerin der AWO Schaumburg. AWO-Mitarbeiter Bilal Hassan Sanchez hatte den Kontakt zu Ruhe hergestellt, denn der Boxsport fasziniert auch ihn. Bei einem Pressetermin räumt Ruhe als Europameister im Superweltergewicht vor allem ein weitläufiges Vorurteil aus dem Weg: „Wir bilden beim Boxen keine 'Schläger' aus, ganz im Gegenteil!“ Boxen stärke Eigenschaften wie Disziplin, Respekt, Selbstständigkeit und Ehrgeiz. Wer das nicht verinnerliche, habe im Boxsport keine Zukunft. Und zur Disziplin gehört auch eine typisch deutsche Eigenschaft: „Pünktlichkeit!“ Ruhe hat da seine ganz eigenen Methoden, um die in seinem Box-Gym einzufordern: „Für jede Minute Verspätung muss man 15 Liegestützen zusätzlich machen!“ Was hart klingt, ist jedoch eine erfolgreiche Erziehungsmethode: „Zum Training kommt bei mir niemand mehr zu spät“, so Ruhe. Für die von der AWO betreuten geflüchteten Menschen gibt es nun jeden Donnerstag ab 19.30 Uhr in der Sporthalle der ehemaligen Pestalozzischule die Möglichkeit, an einem Boxtraining teilzunehmen. 25 Menschen unterschiedlichen Alters haben sich bereits angemeldet: „Darunter leider nur eine Frau“, so Ruhe. Perspektivisch will er für Frauen eine eigene Gruppe aufmachen. Und Boxen, so der Champion, habe noch eine weitere positive Eigenschaft: „Hier bilden sich tiefe Freundschaften untereinander aus, auch von Menschen, die sich sonst auf der Straße vielleicht nie die Hand gegeben hätten!“ Für BKK 24 Regionalleiter Schaumburg, Dennis Busche, ein guter Start für ein Angebot der Gesundheitsprävention. Die ersten Übungsleiterstunden werden von der BKK 24 übernommen, später könnte der Landkreis über Mittel aus „Bildung & Teilhabe“ bei einer Vereinsmitgliedschaft übernehmen.
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