Die Politiker beriefen sich dabei auf die von der Bundesatomaufsicht und Reaktorsicherheitskommission kritisierten akuten Sicherheitsprobleme im Kernkraftwerk Grohnde. Das Bundesumweltministerium hatte das Land Niedersachsen aufgefordert, endlich einen angemessenen Sicherheitsnachweis für das Atomkraftwerk Grohnde und andere niedersächsische Atomkraftwerke vorzulegen. „Umweltminister Sander will das offensichtliche Problem kleinreden und ignorieren,” kritisierte Ursula Helmhold den mangelnden Nachbesserungswillen des Landes. Bei dem von der Reaktorsicherheitskommission ermittelten Problem geht es um mögliche Lecks im Kühlwasserkreislauf, bei dem die Sumpfsiebe durch beschädigtes Isoliermaterial verstopft werden könnten. Folge wäre, dass das Kernkraftwerk im Störfall nicht ordnungsgemäß heruntergekühlt werden könnte und dann eine Kernschmelze mit radioaktiver Verstrahlung des Weserberglandes möglich sei. Die Landesregierung und die AKW-Betreiber hätten auf dieses Problem, das in mehreren Atomkraftwerken bestehe, keine Antwort.
Für Ursula Helmhold ist Minister Sander „mit seiner Pro-Atom-Haltung daher das größte Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung”. Mit einer Anfrage an den Landtag wollen die beiden Grünen jetzt eine Antwort der Landesregierung, wie sie den Vorgaben der Reaktorsicherheitskommission nachkommen will. „Ohne eine Lösung der Sumpfsiebproblematik hat das Atomkraftwerk Grohnde keinen ausreichenden Schutz gegen eine jederzeit mögliche Kernschmelze und muss daher aus Sicherheitsgründen für die Bevölkerung abgeschaltet werden,” fordern die Grünen. -
Die beiden Landtagsabgeordneten weisen außerdem auf ein weiteres Problem am Standort Grohnde hin. Am Wochenende war bei einem Castor-Behälter im Zwischenlager Gorleben das Sicherheitssystem mehrfach ausgefallen und ein Druckabfall gemeldet worden, was auf Undichtigkeiten hinweisen könnte. Da der Defekt nicht behoben werden konnte, überprüft der Hersteller GNS nun generell die Dichtigkeitsüberwachung von Castor-Behältern als systematischen Fehler. Nach Angaben der Grünen wird auch im Atommüll-Zwischenlager Grohnde dieses Überwachungssystem für Atommüllbehälter verwendet. Die Abgeordneten Helmhold und Meyer forderten daher die Landesregierung auf, auch hier unabhängige Messungen zur Dichtigkeit und Sicherheitsüberprüfung vorzunehmen. Dabei dürfe man sich nicht nur auf die Herstellerangaben verlassen, sondern müsse mit betreiberunabhängigen Messgeräten und Experten die Atommüllbehälter überprüfen.
Unterstrich Ursula Helmhold: „Die Sicherheit der Bevölkerung vor Atomunfällen muss Vorrang vor allen anderen Überlegungen haben.” Foto: km