Minijobs unter Druck: Auch Zeitungszustellung betroffen
Die Diskussion um mögliche Reformen bei Minijobs sorgt derzeit bundesweit für Verunsicherung, und sie kommt auch in Schaumburg an. Besonders betroffen ist dabei auch die Zustellung von Zeitungen wie dem Schaumburger Wochenblatt, die maßgeblich auf geringfügig Beschäftigte angewiesen ist.
Einer, der die Entwicklung aus nächster Nähe verfolgt, ist Sven Seeger. Seit vielen Jahren ist er als Kontrolleur für das Schaumburger Wochenblatt im Einsatz. Er sorgt dafür, dass die Zeitung pünktlich bei den Leserinnen und Lesern ankommt, springt kurzfristig ein, wenn Zusteller ausfallen, und koordiniert zugleich ein Team aus Minijobbern.
„Die Diskussion um Minijobs betrifft unsere Branche unmittelbar. Aber sie betrifft genauso den Einzelhandel, die Gastronomie, soziale Einrichtungen, Sportvereine oder das Handwerk. Minijobs schaffen Flexibilität – für Arbeitgeber ebenso wie für Beschäftigte. Deshalb sollte man sehr sorgfältig prüfen, welche Folgen Veränderungen in der Praxis haben.“
„Ich mache den Job selbst als Minijob – und habe gleichzeitig viele Minijobber unter mir“, sagt Seeger. „Im Moment herrscht vor allem Unsicherheit. Seit die Berichte über mögliche Reformen laufen, bekomme ich ständig Fragen aus dem Team.“
Die Sorgen drehen sich vor allem um mögliche Einschränkungen oder Veränderungen bei Verdienstgrenzen und Sozialabgaben. Konkrete Beschlüsse gibt es zwar noch nicht, doch die Debatte reicht aus, um Unruhe auszulösen. „Viele fragen sich: Lohnt sich das am Ende noch? Oder bleibt weniger übrig?“, so Seeger. Gerade in der Zeitungszustellung ist Flexibilität entscheidend. Krankheitsausfälle oder kurzfristige Engpässe müssen schnell kompensiert werden. „Ohne Minijobber würde das System so nicht funktionieren“, betont Seeger. „Wir brauchen Leute, die spontan einspringen können.“
Gleiches Problem auch in anderen Branchen
Diese Erfahrung macht er nicht nur bei der Zustellung. Auch in seinem Hauptberuf in der Gastronomie ist er auf flexible Aushilfen angewiesen. „In der Gastro läuft vieles über Stoßzeiten. Da werden Minijobber kurzfristig angerufen, wenn viel los ist. Das ist ein ganz ähnliches Modell.“
Genau darin sieht Seeger ein strukturelles Problem der geplanten Änderungen. „Egal ob bei den Zustellern oder in der Gastronomie: Wenn die Regeln strenger werden, geht das am Ende zu Lasten der Beschäftigten und auch der Betriebe“, sagt er. „Die Flexibilität, die beide Seiten brauchen, könnte verloren gehen.“ Für viele Austrägerinnen und Austräger ist der Minijob eine wichtige Einnahmequelle – sei es als Nebenverdienst, zur Rente oder als flexible Ergänzung zum Alltag. Entsprechend aufmerksam wird in der Branche verfolgt, welche Entscheidungen in Berlin getroffen werden. Bis dahin bleibt vor allem eines: Unsicherheit. „Wir können im Moment nur abwarten“, sagt Seeger. „Aber die Fragen werden nicht weniger.“