Kein Weiter-So bei der Volksbank in Schaumburg und Nienburg: Auf der jüngsten Vertreterversammlung zog der Vorstand einen klaren Schlussstrich unter Geschäftsmodelle der Nullzinsphase, hielt aber trotz wirtschaftlicher Turbulenzen und öffentlicher Kritik an Irangeschäften unumstößlich an der regionalen Verwurzelung der Bank fest.
Das traditionelle Fundament bleibt bestehen, doch die Strategie bekommt ein spürbares Update. Auf der Vertreterversammlung im Nienburger Weserschlößchen zeichnete der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Uwe Krismann das Bild eines herausfordernden Jahres, das von globalen Krisen, Inflation und dem Zinsanstieg geprägt war. In diesem spannungsgeladenen Umfeld positionierte Vorstand Christian Weiß die Bank neu und stellte klar, dass die Rezepte der vergangenen Billiggeld-Ära in der neuen Realität nicht mehr greifen. Trotz klarer strategischer Veränderungen signalisierten die 147 stimmberechtigten Vertreter dem Vorstand breiten Rückhalt: Sie entlasteten sowohl den Vorstand als auch den Aufsichtsrat und genehmigten die Verwendung des Jahresergebnisses, allerdings nicht ohne Gegenstimmen.
Volksbank bleibt regional verwurzelt
Ein zentrales Versprechen des Abends galt der treuen Kundschaft vor Ort, denn an der regionalen Ausrichtung der Bank wird laut Vorstand Weiß trotz aller notwendigen Transformationen nicht gerüttelt. In seiner Rede nutzte Weiß zudem die Bühne, um zu einem sensiblen Thema der jüngeren Vergangenheit Stellung zu beziehen. Die Kritik an dem in die Schlagzeilen geratenen Irangeschäft der Bank aus dem Jahr 2024 wies er entschieden zurück. Die Bank habe sich bereits vor der öffentlichen Berichterstattung komplett aus diesen Aktivitäten zurückgezogen. Zudem betonte er, dass man zu keinem Zeitpunkt das iranische Regime, sondern ausschließlich deutsche Unternehmen im Rahmen der geltenden Gesetze und Sanktionsvorschriften beim Außenhandel unterstützt habe.
Gemischtes Bild beim umfangreichen Zahlenwerk
Der Blick auf das Zahlenwerk des Geschäftsjahres 2025 offenbart ein gemischtes, aber solides Bild. Während die Bilanzsumme stabil bei 5,1 Milliarden Euro verharrte und das Kreditgeschäft leicht auf 3,95 Milliarden Euro zulegte, konnte die Bank ihr Eigenkapital um beachtliche 23 Millionen Euro auf nunmehr 534 Millionen Euro stärken – ein Puffer, dem Weiß in Zukunft eine Schlüsselrolle zuschreibt. Weniger erfreulich entwickelte sich das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit, das von ehemals knapp 46 Millionen Euro auf rund 20 Millionen Euro einbrach. Einen Dämpfer gab es auch bei der Prüfung der Jahreszahlen durch den Genoverband e.V., der das Risikodeckungsergebnis von nur 39 Prozent kritisierte. Weiß dazu: „Hier ist eine nachhaltige Verbesserung notwendig!” Demgegenüber stand jedoch ein starkes Signal der Mitglieder, die ihre Geschäftsguthaben spürbar aufstockten und damit die tiefe Verbundenheit mit ihrer Genossenschaft unterstrichen. Nach Jahren, in denen die Zahlen nur eine Richtung nach oben kannten, nennt die Volksbank die jetzt vorgestellten Zahlen eine „gelungene Konsolidierung”.
Harte Bilanzen – soziales Engagement
Neben den harten Bilanzen zeigte sich die Bank gewohnt tief in der Region verwurzelt. Mit über 582.000 Euro wurden mehr als 500 soziale, sportliche und kulturelle Initiativen gefördert, darunter die Mosterei der „Obstwiesenland gGmbH“ in Exten. Ein besonderer emotionaler Höhepunkt war eine gemeinsame Spendenaktion mit der DZ-Bank, die der DKMS über 42.000 Euro einbrachte. Dass diese Regionalität nicht zulasten der Qualität geht, bewies die Bank im Beratungsgeschäft. Gleich 13 „Focus Money Awards“ heimsten die Filialen von Nienburg bis Steyerberg ein, wobei die Teams in den Bereichen Privat- und Geschäftskunden, Private Banking sowie Baufinanzierung jeweils als Testsieger glänzten. Zum Ende der Versammlung setzten die Mitglieder auf Kontinuität und Zukunftsglauben: Die turnusgemäß ausgesschiedenen Aufsichtsratsmitglieder Ute Heitmüller, Kerstin Busche, Jörg Hatesaul, Friedhelm Härtel und der stellvertretende Vorsitzende Dirk Rodenbeck wurden allesamt wiedergewählt, während sich die Anteilseigner über die Beschlussfassung einer Dividende von stabilen 4,0 Prozent freuen dürfen.
Ein Risikodeckungsergebnis von nur 39 Prozent: „Hier ist eine nachhaltige Verbesserung notwendig!”