Schaumburger Wochenblatt
  1. Unsichtbares unter der Erde sichtbar machen

    Geophysikalische Vermessung vermittelt Bild von mittelalterlicher Heisterburg

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    LANDKREIS (jl). 326 Meter über Normalhöhennull hat sich der Deister in der vergangenen Woche in einen archäologisch-geophysikalischen Schauplatz verwandelt: Auf der Heisterburg oder viel mehr zwischen den Wällen, Gräben und Mauerresten, die von der mittelalterlichen Anlage aus dem 10. bis 12. Jahrhundert noch übrig geblieben sind, schenkte am Donnerstag eine kleine Gruppe von Ausflüglern ihre ganze Aufmerksamkeit Torsten Riese. Gemeinsam mit freiwilligen Helfern zog der Mitarbeiter der Marburger Fachfirma "Posselt & Zickgraf Prospektionen" ein Gerät, das, müsste man es beschreiben, vielleicht einem Rasenmäher ähnelt, über den Waldboden. "Das ist ein Bodenradar", erklärte der Geograph. "Im Zickzackmodus laufen wir ein fast ein Hektar großes Quadrat ab", die Fläche der Hauptburg.

    Mithilfe hochfrequenter elektromagnetischer Wellen, die an den Schichtgrenzen reflektieren, könne das Gerät etwa 1,30 Meter unter die Erde "gucken" und verschiedene Fundamente entdecken. Kurz um: Es macht Unsichtbares im Untergrund sichtbar.

    Neben dem Bodenradar kam in dem von der Schaumburger Landschaft gemeinsam mit Sponsoren wie dem Landkreis, der Samtgemeinde Rodenberg, der Stadt Bad Nenndorf und der VGH Versicherung getragenen Projekt auch die Geomagnetik zum Einsatz. "Diese Methode eignet sich besonders zur Untersuchung von Erdbefunden wie verfüllten Gruben oder Gräben", erklärte der Fachmann den Anwesenden, darunter Vertreter aus Verwaltung, Vereinen und der Denkmalpflege sowie des -schutzes. Ein umgezeichneter 3D-Datenblock gibt letztlich einen flächigen Überblick über das "gescannte" Areal. Erste taufrische Ergebnisse in Form von Bildern auf dem Laptop zeigten tatsächlich einen etwa 15x13 Meter großen Gebäudekomplex. "Wir haben mehrere Bauzüge mit Winkeln gefunden", verdeutlichte Riese, der sich anhand der Daten sicher war: "Da kommt noch mehr." Wie der Kommunalarchäologe Jens Berthold ergänzte, sprächen die Erkenntnisse auch dafür, dass die Hauptburg dauerhaft besiedelt war. "Sie war keine Fluchtburg, eher eine ‚frühere Schaumburg‘".

    Ziel des mehr als 10.000 Euro teuren Projektes ist eine zerstörungsfreie Bestandserfassung. "Wir wollen grundlegend erkunden, was wir hier für eine Bebauung hatten", erklärte der Kommunalarchäologe. Im besten Fall erhofft er sich Hausgrundrisse, mit denen sich nicht nur Vergleiche zu ähnlichen Bauten ziehen ließen. "Damit könnten wir versuchen, das Leben in der Burg zu rekonstruieren." Denn: Erkenntnisse zu den Erbauern oder Nutzern der Heisterburg seien nicht schriftlich überliefert, die Ausgrabungen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang der 1930er-Jahre vielmehr "bessere Raubgrabungen", so Berthold. "Wir wissen nur, dass es eine mächtige Persönlichkeit gewesen sein muss."

    Grabungen seitens des Kommunalarchäologen sind nicht geplant. Dafür fehle einfach die Zeit, das Personal und vor allem das Geld, so Berthold. Kreisbaudezernent Fritz Klebe betonte dazu: "Viel wichtiger ist doch die nachhaltige Grundlage, die Vergangenheit zu verstehen."

    Die Daten der geophysikalischen Vermessungen an der Heisterburg müssen nun umfassend ausgewertet werden. Noch im Winter aber frühestens im Januar plant Berthold einen bebilderten Ergebnisvortrag für die Öffentlichkeit zu organisieren. Foto: jl

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