Die Belastung von Gewässern mit Nitrat stellt ein wachsendes Problem für Umwelt und Ökosysteme dar. Aktuelle Messungen des VSR-Gewässerschutzes e.V., einer gemeinnützigen Umweltorganisation, zeigen, dass die Weser im Kreis Schaumburg weiterhin deutlich über den ökologischen Zielwerten liegt. Wie gefährlich ist der Nährstoffüberschuss wirklich, und wo liegen die Ursachen?
Das Thema Wasserqualität bewegt viele Menschen im Landkreis Schaumburg. Der gemeinnützige Verein VSR-Gewässerschutz e.V., der vielen Bürgerinnen und Bürgern von mobilen Informationsständen zur Analyse von Brunnenwasser bekannt ist, schlägt nach Untersuchungen Alarm. Eine Messfahrt entlang der Weser von Hann. Münden bis Bremen verdeutlichte, dass die Nitratkonzentrationen dringend gesenkt werden müssen, um die Artenvielfalt in Flussen und Meeren zu schützen.
17,8 Milligramm Nitrat pro Liter im Weserwasser
Im Kreis Schaumburg beprobte der Gewässerschützer Matthias Ahlbrecht die Weser direkt in Rinteln. Das Ergebnis: Ein Nitratwert von 17,8 Milligramm pro Liter (mg/l). Damit liegt die Belastung in Rinteln nach Angaben des VSR weit über den ökologischen Vorgaben. Nach der Oberflächengewässerverordnung soll die Weser in Bremen eine Stickstoffkonzentration von 2,8 mg/l nicht überschreiten, was einem Nitratwert von 12,3 mg/l entspricht. Bei der Messfahrt wurden am Weserwehr in Bremen jedoch 16,3 mg/l gemessen. Um diesen Wert flussabwärts wirksam zu senken, müssen die Eintragsmengen bereits an allen Quell- und Nebenflüssen konsequent reduziert werden.
Warum ist Nitrat gefährlich?
Nitrat ist eine Stickstoffverbindung, die vor allem durch Düngemittel aus der Landwirtschaft in den Boden gelangt. Im Wasser wirkt ein Übermaß an Nitrat als starker Dünger und führt zu einem ungehemmten Algenwachstum (Eutrophierung). Sterben diese Algen ab, werden sie von Bakterien zersetzt – ein Prozess, der enorme Mengen Sauerstoff verbraucht. In der Folge sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser so stark ab, dass Fische, Krebse und andere Wassertiere nicht mehr überleben können. Es entstehen sogenannte Todeszonen, die zu einem dramatischen Verlust der Artenvielfalt in Flussgebieten und schließlich in der Nordsee führen. Auch im Grundwasser ist ein hoher Nitratgehalt kritisch, da aus Nitrat im Körper gesundheitsschädliches Nitrit entstehen kann.
Brunnenuntersuchungen zeigen zum Teil hohe Werte
Der VSR-Gewässerschutz ermittelte bei Brunnenwasser-Analysen im Kreis Schaumburg zwischen 2019 und 2024, dass 5,8 Prozent der untersuchten Privatbrunnen den Trinkwasser-Grenzwert der Nitratrichtlinie von 50 mg/l überschreiten. Trotz gesetzlicher Auflagen zu Düngezeitpunkten und -mengen sinkt die Grundwasserbelastung nicht im erhofften Ausmaß. Die Hauptursache für die hohe Nitratlast der Weser liegt nach Angaben des VSR in diffusen Quellen. Zusammen mit den Drainagen von den Feldern macht das zusickernde, belastete Grundwasser 87 Prozent der gesamten Nitrateinträge im Wesereinzugsgebiet aus. Nur 13 Prozent stammen aus Punktquellen wie industriellen Direkteinleitungen oder Kläranlagen. Gerade bei den kommunalen Kläranlagen konnten in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt werden: Im Kreis Schaumburg liegt der Nitrateintrag der Hälfte der kommunalen Kläranlagen mittlerweile unter 14,1 mg/l. Um den Zustand der Weser und der Nordsee nachhaltig zu verbessern, bleibt der Schutz des Grundwassers und die Reduzierung landwirtschaftlicher Einträge die zentralen Stellschrauben.