Klare Erwartungen an Politik und Verwaltung | Schaumburger Wochenblatt

Klare Erwartungen an Politik und Verwaltung

Die B65 ist und bliebt ein wichtiges Thema für alle Nienstädter. (Foto: bb)
Die B65 ist und bliebt ein wichtiges Thema für alle Nienstädter. (Foto: bb)
Die B65 ist und bliebt ein wichtiges Thema für alle Nienstädter. (Foto: bb)
Die B65 ist und bliebt ein wichtiges Thema für alle Nienstädter. (Foto: bb)
Die B65 ist und bliebt ein wichtiges Thema für alle Nienstädter. (Foto: bb)

Vor einigen Wochen hatten die Leserinnen und Leser des Schaumburger Wochenblatts erneut Gelegenheit, sich am Heimatcheck zu beteiligen. Die Auswertung für die Samtgemeinde Nienstädt zeigt nun, welche Themen die Menschen besonders bewegen und wo sie den größten Handlungsbedarf sehen. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Grundlagen des täglichen Lebens: Verkehr, Straßen und Radwege, öffentlicher Nahverkehr, Arbeitsplätze, Schulen und Kitas. Zugleich wünschen sich viele eine Politik, die Steuergeld sinnvoll einsetzt, schneller handelt und nachvollziehbarer kommuniziert.

Verkehr und Infrastruktur

Am häufigsten tauchen Verkehr und Infrastruktur in den Antworten auf. Der Autoverkehr wird als überlastet beschrieben, Radfahrer fühlen sich an vielen Stellen unsicher. Eine Rückmeldung fasst die Situation so zusammen: „Im Verkehr ist der Autoverkehr total voll, für Radfahrer ist es an vielen Ecken schwierig, die Bahn fährt kleine Bahnhöfe nur zu wenigen Zeiten an.“ Gefordert werden mehr und bessere Radwege, Verkehrsberuhigungen sowie eine zügige Sanierung der Straßen. Aber auch der Ausbau der Bahnverbindung wird kritisch gesehen: „Den Ausbau der Bahnstrecke Hannover–Bielefeld anstreben und bitte keine neue Trasse!!!“ Der öffentliche Nahverkehr gilt vielen als entscheidender Baustein für die Zukunft des ländlichen Raums. Busse und Bahn müssten häufiger, zuverlässiger und besser miteinander verknüpft fahren. Ohne diese Angebote bleibe vielen Menschen nur das Auto – mit Folgen für Verkehr, Lärm, Kosten und Klimaschutz.

Arbeit und Familien

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherung von Arbeitsplätzen. Ein Teilnehmer nennt als größten Handlungsbedarf ausdrücklich „das Halten von Arbeitsplätzen in der Region“ und verweist auf die Vergangenheit und Unternehmen wie OBO, Otis und Faurecia. Deren Entwicklung zeige, was geschehe, wenn Firmen abwanderten oder schlossen. Gefordert werden bessere Bedingungen für kleine Unternehmen, Handwerk und Mittelstand. Zugleich wird die Situation der Familien angesprochen. Wenn beide Eltern arbeiten müssten, brauche es verlässliche Betreuung und eine bessere personelle Ausstattung in Kitas, Schulen und sozialen Einrichtungen.
Die wirtschaftliche Frage wird eng mit den Lebenshaltungskosten verbunden.


Die Zufriedenheit muss an erster Stelle stehen, ansonsten wird der Rechtsdruck immer größer. Leben und Versorgung müssen bezahlbar sein, Familien mit Kindern brauchen Unterstützung.

Lesermeinung

Steigende Kosten, fehlende Arbeitsplätze und unzureichende Angebote könnten die Unzufriedenheit weiter verstärken. Mehrfach wird der Handlungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen gesehen. Eine Antwort lautet schlicht: „Bei unserer Jugend!!!“ Andere nennen Kindergärten, Schulen, Sportstätten und bessere Bildungsangebote. Der Erhalt und Ausbau von Sportstätten wird ebenso gefordert wie eine bessere personelle Ausstattung der Bildungseinrichtungen. Auch das Ehrenamt wird als unverzichtbar für das Zusammenleben beschrieben – darf aber nicht überfordert werden. „Es darf nicht noch mehr Arbeit dem Ehrenamt aufgefordert werden, sonst lässt das Engagement nach“, heißt es in einem Kommentar. Freiwilliges Engagement müsse deshalb nicht nur eingefordert, sondern dauerhaft unterstützt und wertgeschätzt werden. Viele Antworten richten sich direkt an Politik und Verwaltung. Genannt werden die „sinnvolle Ausgabe von Steuermitteln“, weniger Bürokratie sowie Kritik an „Seilschaften in der Politik“ und Vetternwirtschaft. Dahinter steht der Eindruck, dass Entscheidungen zu langsam getroffen oder nicht ausreichend erklärt werden.

Die Zahlen des Heimatchecks bestätigen den Verbesserungsbedarf: Nur 17 Prozent sagen, dass sich wichtige Behördengänge einfach digital erledigen lassen. Verwaltung und Service werden mit 49 Prozent deutlich besser bewertet. Die transparente Kommunikation kommunaler Entscheidungen erreicht dagegen nur 11 Prozent Zustimmung. Gewünscht wird eine Verwaltung, die moderner, digitaler und pragmatischer arbeitet. Gleichzeitig soll sie näher an den Menschen sein und nachvollziehbar machen, warum bestimmte Projekte umgesetzt oder nicht umgesetzt werden. Gerade bei großen Infrastruktur- und Energieprojekten wird mehr Offenheit verlangt. Auch Sicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt spielen eine wichtige Rolle. Zusammenhalt und Demokratie stehen mit 43 Prozent an erster Stelle der abgefragten Wahlthemen, gefolgt von Mobilität und ÖPNV mit 40 Prozent. In den offenen Antworten werden minderjährige Straftäter und Sicherheit im öffentlichen Raum genannt. Einige Befragte verbinden damit konkrete Sorgen um Übergriffe und Unsicherheit, andere warnen vor Ausgrenzung und einem weiteren Rechtsruck. Die Antworten zeigen damit ein Spannungsfeld: Viele wünschen sich mehr Sicherheit und klare Regeln, zugleich wird Integration als wichtige Aufgabe benannt. Gemeinsamer Nenner ist der Wunsch nach einem respektvollen und funktionierenden Zusammenleben.
Klima-, Umwelt- und Flächenschutz nennen 34 Prozent als wichtiges Thema. Die offenen Antworten reichen von der Forderung nach Klimaneutralität bis zur Kritik an Photovoltaikanlagen auf Freiflächen. Stattdessen sollten stärker Dächer genutzt werden. Außerdem wird mehr Information über Fördermöglichkeiten für Klimaschutz gefordert.
Auch scheinbar kleine Fragen des Alltags gehören dazu: Hundekot und Zigarettenreste sollen konsequenter beseitigt oder geahndet werden. Insgesamt geht es vielen darum, Natur und Wohnumfeld zu schützen, ohne notwendige Entwicklungen grundsätzlich abzulehnen.

Hohe Wahlbereitschaft

Trotz der Kritik bleibt die Bereitschaft zur politischen Beteiligung hoch. Knapp drei Viertel der Befragten geben an, wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich an der Kommunalwahl teilzunehmen.

Der Heimatcheck zeigt damit einen klaren Auftrag: Nienstädt soll bei Verkehr, Infrastruktur, Arbeit, Bildung und Sicherheit spürbar vorankommen. Vor allem aber erwarten viele, dass nicht länger nur über Probleme gesprochen wird, sondern dass Entscheidungen getroffen und Ergebnisse sichtbar werden.


Nadine Dressler
Nadine Dressler
Redakteurin Schaumburger Wochenblatt.

Nadine Dressler ist seit Anfang 2024 als Redakteurin beim Schaumburger Wochenblatt tätig. Sie betreut schwerpunktmäßig die redaktionellen Belange der Bereiche Bückeburg, Obernkirchen, Auetal und Bad Eilsen. Vereine und Initiativen können können ihre Pressemitteilungen gern direkt an n.dressler@schaumburger-wochenblatt.de senden.
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