Rolf Thiele ist Geschäftsführer von TC Wind & Solar und wurde aufmerksam auf einen Artikel im Schaumburger Wochenblatt, bei dem es um die beiden geplanten Anlagen in Westendorf ging. Dort, so Thiele, habe er vor Jahren die Projektplanung gemacht und die entsprechenden Rechte dann an „Planet Energy” als Investor verkauft. Damals waren dort noch drei Windenergieanlagen (WEA) mit einer Höhe von je 150 Metern geplant worden. Er selbst plane im Landkreis Schaumburg keine Flächen für WEAs mehr: „Ich bin jetzt vorwiegend im Bereich Nienburg und Mecklenburg-Vorpommern tätig und weiß auch von Kollegen, dass der Landkreis Schaumburg ein Stück weit verbrannt ist bei Projektplanern!” Der Streusiedlungscharakter des Landkreises, die Luftfahrt mit ihren berechtigten Ansprüchen und der viele Gegenwind von den Bürgern mache es Planern und Investoren hier schwer. „Man geht lieber dorthin, wo man als Planer auch erwünscht ist!” Für den Bau von WEA gebe es aus Sicht von Städten und Gemeinden viele Gründe, so Thiele.
Wertschöpfung durch Windenergieanlagen
Eine moderne WEA liefert bis zu fünf Megawatt Nennleistung und kostet pro Megawatt rund eine Millionen Euro. Eine Investition in die Zukunft, so Thiele, bei dem die Wertschöpfung vor Ort für Städte und Gemeinden nicht unterschätzt werden dürfe. Starten wir mit dem Eingriff in das Landschaftsbild: „Das muss von den Investoren durch Zahlungen kompensiert werden”, so Thiele. Bei kleineren Anlagen von 150 Metern Höhe werden da schon rund 200.000 Euro pro Anlage fällig, größere Anlagen kosten mehr. In der Regel sind das Mittel für Naturschutzmaßnahmen, die von vielen Gemeinden schon jetzt sehr nachhaltig zur Stärkung der Lebensqualität vor Ort genutzt würden. Punkt zwei: Die Landwirtschaft. Flächen für WEA werden häufig von Landwirten angepachtet und die erhalten dafür regelmäßige Zahlungen. Und dann sind da noch die Steuern: Die Gewerbesteuern der Betreibergesellschaften für die Erträge aus der Windenergie kommen den Städten zugute und außerdem sei auch der Bau der Anlagen, der Service mit den Technikern wertschöpfend. Und dann gibt es ja auch noch pro erzeugter Kilowattstunde einen Betrag für die Gemeinden, die im Umkreis von 2500 Metern um die jeweilige Anlage liegen. Rinteln beispielsweise würde von den geplanten Anlagen in Silixen profitieren. Pro Anlage und erzeugter Kilowattstunde würden 0,2 Cent ausgeschüttet, umgelegt auf die jeweils betroffene Fläche im genannten Radius. Rund 50.000 Euro werden so pro Anlage jedes Jahr ausgeschüttet: „Das ist regionale Wertschöpfung”, so Rolf Thiele. Besonders die Kombination aus Windkraft, Solarstrom und Stromspeicher biete ein fast rundum Stromversorgung mit erneuerbarem Strom. „Energieintensive Industrie ist hungrig nach solchem Strom, um ihre Produkte CO2-neutral fertigen zu können.” Beispiel Deckbergen: Dort gibt es eine Freiflächensolaranlage und sollten in Westendorf die beiden WEA realisiert werden, hätte die betonverarbeitende Firma Klebl einen echten Standortvorteil. Der Vorteilt hier: Die Stadtwerke betreiben ein eigenes Stromnetz und können deshalb 1:1 den grünen Strom liefern. Und: Zusätzlich zu den 0,2 Cent kann man auch noch 0,1 Cent pro kw/h für soziale Projekt heraushandeln.
Neues Regionales Raumordnungsprogramm
Der Landkreis Schaumburg legt gerade sein neues Regionales Raumordnungsprogramm auf (RROP). Es befindet sich in einem mehrstufigen Prozess. Das alte Programm aus dem Jahr 2003 gilt als fachlich veraltet. Nach dem Beteiligungsverfahren für die Träger öffentlicher Belange (Kommunen, Verbände) sowie den Stellungnahmen der Bürger werden die eingegangenen Anregungen und Kritiken (insbesondere zu sensiblen Themen wie Windenergie und Kiesabbau) geprüft und in den Entwurf eingearbeitet. Nachdem alle Einwendungen geprüft wurden, muss der Kreistag das RROP förmlich als Satzung beschließen. Besonders in Sachen Windenergie und der Ausweisung von Vorranggebieten ist aufgrund neuer gesetzlicher Flächenziele des Bundes die Sache rechtlich hochkomplex.
„Energieintensive Industrie ist hungrig nach solchem Strom, um ihre Produkte CO2-neutral fertigen zu können.”