„Ich bin kein Typ, der einfach etwas hinschmeißt“ | Schaumburger Wochenblatt

„Ich bin kein Typ, der einfach etwas hinschmeißt“

Karl-Heinz Frühmark. Ein Ehrenamts-Urgestein der Stadt. (Foto: ste)
Karl-Heinz Frühmark. Ein Ehrenamts-Urgestein der Stadt. (Foto: ste)
Karl-Heinz Frühmark. Ein Ehrenamts-Urgestein der Stadt. (Foto: ste)
Karl-Heinz Frühmark. Ein Ehrenamts-Urgestein der Stadt. (Foto: ste)
Karl-Heinz Frühmark. Ein Ehrenamts-Urgestein der Stadt. (Foto: ste)

„Wir brauchen etwa eine gute halbe Stunde für unser Interview“, kündigte ich Karl-Heinz Frühmark bei der Abstimmung des Termins für eine Sonderberichterstattung über das Ehrenamt an; es wurden gut eineinhalb Stunden, die wie im Fluge vergingen und in denen Frühmark viele Stationen seines Lebens beleuchtete.

1943 in Oppeln geboren, musste Frühmark 1946 aus Schlesien raus, und es verschlug die Familie nach Goslar: „Da wurden wir zwangseinquartiert bei einer Frau, die anfangs gar nicht amüsiert war!“ Später habe man sich aber sehr gut verstanden, und für die Kinder sei Goslar ein prima Pflaster zum Spielen gewesen. Anfangs spielten die Kinder nur Straßenfußball, dann kickte Frühmark beim Eisenbahn-Sport-Verein Goslar: „Ehrenamt war für mich damals noch kein Thema, aber wir haben immer mit angefasst, wenn es was zu tun gab!“ Unter anderem spielte er gegen die Mannschaft des in Goslar damals führenden Herrenausstatters „Odermark“, dessen Anzüge aus feinstem englischen Garn hergestellt wurden.

Nach der Mittleren Reife 1960 ließ sich Frühmark zum Sozialversicherungsangestellten bei der AOK Goslar ausbilden und startete 1968 ein berufsbegleitendes Studium zum Krankenkassenbetriebswirt. Zuvor diente er noch zwei Jahre bei der Bundeswehr am niederländischen Standort Budel als Luftwaffenunteroffizier. Seine berufliche Karriere sah er allerdings bei der Krankenkasse; dort wurde er Betriebsprüfer, Referent beim AOK-Landesverband, Dozent am Bildungszentrum der AOK in Sarstedt und wechselte dann zur Innungskrankenkasse Schaumburg in Rinteln, wo er von 1980 bis 1993 Geschäftsführer war. Zwei Jahre war er dann noch stellvertretender Geschäftsführer des IKK-Landesverbandes Niedersachsen, dessen Vorsitzender er von 1996 bis 2002 wurde.

Eine steile Karriere, ein strammes Arbeitspensum. Dass da noch Zeit für das Ehrenamt blieb? Blieb es, so Frühmark, denn Herausforderungen waren für ihn auch immer Antrieb: „Ich bin kein Typ, der einfach etwas hinschmeißt“, stellt der heute 82-Jährige fest und schildert, wie er zu seinem ersten Ehrenamtsposten kam: „Werner Luchtmeier, damals VTR-Vorsitzender, fragte mich, ob ich die Kasse prüfen könne!“ Und so hatte er seinen ersten unbezahlten Job im Verein. Als Peter Blaumann dann den Posten des Oberturnwartes räumte, stieg Frühmark ein: „Zum Glück musste ich als Fußballer nur einmal vorturnen!“

Als Werner Luchtmeier dann 1993 Präsident des Niedersächsischen Turnerbundes wurde, übernahm Frühmark wie selbstverständlich den Posten des Ersten Vorsitzenden der Vereinigten Turnerschaft Rinteln, obwohl er durch die Übernahme der stellvertretenden Geschäftsführung des IKK-Landesverbandes auch beruflich stark eingebunden war. Bis 2018 leitete er verantwortlich die Geschicke der VTR, dann wurden die Ressorts mit ihren entsprechenden Leitungsfunktionen eingeführt. Natürlich übernahm auch Frühmark ein Ressort: „Ich wurde Finanzvorstand der VTR!“ Diesen Posten hat er bis heute inne und kündigte an, dass er zur Jahreshauptversammlung des Vereins am 3. Juni um 19 Uhr im WeserFit seinen Posten an einen Nachfolger abgeben werde.

Doch wer erst einmal in einem Verein erfolgreich ehrenamtlich unterwegs war, der wird auch von anderen Vereinen gerne um Mitarbeit angefragt. So gründete Frühmark den Städtepartnerschaftsverein und den Stadtmarketingverein mit und war bei der Volksbank in Schaumburg von 1991 bis 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrates, wo er bei drei Verschmelzungen mitarbeitete. Als ein Mitbegründer der Rintelner Arbeitsgemeinschaft Sport konnte Frühmark zusammen mit seinem Team viel für den Sport in der Stadt erreichen.

Karl-Heinz Frühmark wurde für seine ehrenamtliche Tätigkeit unter anderem mit der Silbernen Ehrennadel der VTR, der Bronzenen Ehrennadel des Deutschen Turner-Bundes (DTB), der Goldenen Ehrennadel des Landessportbundes Niedersachsen sowie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Karl-Heinz Frühmark ist verheiratet, hat mit Thorsten und Stefan zwei Söhne und drei Enkelsöhne. Noch heute interessiert er sich für Fußball, liest gerne und hat ein Faible für deutsche Geschichte.


Sonja und Stephan Weichert
Sonja und Stephan Weichert
Freie Journalisten
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