Schaumburger Wochenblatt
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    Ein Tandemsprung zum Geburtstag Junge Frau aus Apelern tourt mit einem Rucksack durch Australien Neun Monate lang hat Leonie Kölle der mitteleuropäischen Zivilisation den Rücken gekehrt. Sie besorgte sich ein Flugticket und wusste nur, wo sie die ersten drei Nächte verbringen würde. Danach begann für sie ein einziges großes Abenteuer: Mit einem Rucksack war sie an der australischen Ostküste unterwegs. Während Gleichaltrige an Disko-Nächte oder bereits Familiengründung denken, bekämpft die junge Frau ihr Fernweh. Natürlich hatte sie eine solide Ausbildung absolviert und war einige Jahre in ihrem Beruf als Bürokaufmann tätig. Doch die Reise- und Abenteuerlust war längst da: Zweieinhalb Jahre verdingte sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff. Und nun das große Abenteuer auf der anderen Seite der Weltkugel. Mit ihrem Vorhaben stand sie nicht allein. Der Kontinent ist begehrt bei den so genannten "Backpackern", die via Rucksack sich vorzugsweise an der Ostküste auf den Weg machen. Da war es kein Wunder, dass sie bald schon zufällig einen jungen Bad Nenndorfer traf. Weil der Geldbeutel nicht so dick war, hatte sie sich von Anfang an vorgenommen, ihre lange Reise auch vor Ort zu finanzieren. Sie arbeitete als Hausdame in einem Hotel, auf einer Rinderfarm, als Barkeeperin in einem Rasthaus, als Putzfrau in einem Hotel und bei einem Jachtvermieter. Doch stets waren es nur ein paar Wochen, in denen sie deshalb ihre Tour unterbrach. Schließlich wollte sie noch mehr erleben - und den Silvestertag in Sydney verbringen. Ihren 28. Geburtstag wollte sie mit einem besonderen Event feiern - einem Fallschirm-Tandemsprung. Zwei Tage später saß sie schlotternd in einem kleinen Flugzeug in 15.000 Fuß Höhe. Doch nach der Landung war es dann doch "eines der schönsten Momente in meinem Leben". Auch ein kleines Tattoo ließ sie sich zur Erinnerung an ihre lange Reise durch Australien stechen. "Eigentlich gab es jeden Tag ein Abenteuer", sagt sie rückblickend mit vielen Beispielen. Eines davon war der leere Tank ihres gemeinsam mit einer Freundin gekauften Autos mitten in der Wildnis. Ein Cowboy bot seine Hilfe an. Mutig fuhren die beiden Frauen hinter seinem Wagen her - und erlebten auf einer abseits gelegenen Farm mit einer Fläche von über 100.000 Hektar Lagerfeuer, Kängurus und "unbeschreibliche Sonnenuntergänge". Allerdings: Das Anwesen lag so weit abseits, dass über Wochen kein Kontakt nach Hause möglich war. Doch daran hatte sich Mutter Petra Kölle längst gewöhnt: "Wenn sie sich nicht meldete, wussten wir, es geht ihr gut." Den Silvestertag in Sydney hat sie dann gerade noch rechtzeitig erlebt. Und doch war etwas Enttäuschung dabei: Das dort legendäre Feuerwerk zum Jahreswechsel erlebte sie bei strömendem Regen und Gewitter. Dafür hat sie andere schöne Erinnerungen an die Metropole. Beim "Couch-Surfing" in einer Familie, die die kostenlose Schlafgelegenheit gegen Hilfe im Haushalt anbot, lernte sie so richtig den australischen Alltag kennen. Und sie fand für ein paar Wochen Arbeit in einem Autohaus - als ersten Vorgeschmack auf die Rückkehr in Deutschland. Denn dort nahm ihr Arbeitgeber aus der gleichen Branche sie gern wieder als Mitarbeiterin auf. "Nach Hause kommen ist viel schwerer als von dort wegzugehen", bilanziert sie die erste Zeit in Deutschland. Sechs Wochen hatte sie sich als Übergang vom Abenteuer zum Wiedereinstieg in den Beruf gegeben - und gemeinsam mit Vater Andreas im elterlichen Haus eine kleine Wohnung für sich hergerichtet. Denn wer weiß, wann sie wieder vom Fernweh gepackt wird. Noch erinnern nur zahllose Fotos an die Monate in Australien und die vielen geknüpften Kontakte und Freundschaften. Den einen oder anderen würde sie glatt mal besuchen wollen. Eine zweite Reise nach Australien ist ebenfalls nicht ausgeschlossen: "Ich habe doch Ayers Rock noch nicht gesehen." Text/Foto: al/al/lk Ftoo RBTUAL58a: Mit 15 Kilo Gepäck auf dem Rücken durch Teile Australiens: Leonie Kölle aus Apelern. Foto RBTUAL58 b: Im Hafen von Sydney. Foto RBTUAL58c: Geburtstagsgeschenk mit Herzklopfen: der Tandemsprung. Foto RBTUAL58 d: Freundschaft mit einem kleinen Vierbeiner.

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