Schaumburger Wochenblatt
  1. "Die Fassade gehört zum Ortsbild"

    Abrissgegner sammeln Unterschriften für Jestel-Gebäude

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    LAUENAU (al). Um das Haus Coppenbrügger Landstraße 13 ist ein heftiger Streit entbrannt. Nachdem in der Vorwoche in öffentlicher Sitzung Pläne bekannt geworden waren, das 110 Jahre alte Gebäude abzureißen, haben sich die unter der Initiative "Pro Lauenau" versammelten Gegner formiert. Sie sammelten am Wochenende nach eigenen Angaben 555 Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Am Montagmorgen übergab eine Abordnung die Listen an Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla. Bereits am Freitagabend hatte sich eine spontane Demonstration direkt vor dem Gebäude entwickelt. Auch am Montagvormittag diskutierte ein gutes Dutzend Gegner mit Passanten. "Die Fassade gehört einfach zum Ortsbild", erklärte Dieter Meimbresse. Sie stehe in direkter Verbindung zu Kirche, ehemaligem "Grönenhof" und dem derzeit in Sanierung befindlichen Baudenkmal Coppenbrügger Landstraße 3. Würde das Haus fallen "steht die Apotheke total isoliert als singuläres Gebäude da", verwies der ehemalige Pastor auf das Nachbarhaus. Er habe Kontakt mit den Eigentümern aufgenommen. Diese seien sogar bereit, über die Mauer auf der hinteren Grundstücksseite sprechen zu wollen, wenn dafür das Jestel-Gebäude oder wenigstens die Fassade bei einem Neubau erhalten würde. Meimbresse wisse zudem "von Fachleuten, dass das Gebäude günstiger saniert werden könnte als im Gutachten angenommen". Im Fachausschuss war die Summe von 695.000 Euro für Keller und Erdgeschoss genannt worden. Theodor Vollmer verweist in diesem Zusammenhang auf einen möglichen Zuschuss aus der Städtebauförderung in Höhe von 60 Prozent. Spare man auch die Abrisskosten ein, könnte "wir für um die 200.000 Euro ein Schmuckstück bekommen". Für Kritiker Bernhard Arnold, der vor Jahresfrist eine ähnliche Protestwelle gegen Bouleplatz-Pläne im Volkspark ausgelöst hatte, geht es um mangelnde Transparenz bei lokalen politischen Entscheidungen: "Wenn der Bürger bei der Edeka-Planung besser mitgenommen worden wäre, wäre vielleicht alles anders gelaufen." Der Rat habe doch mitbekommen, dass Teile der Bevölkerung hinter dem Jestel-Haus stünden. Auf Anfrage teilte die Samtgemeindeverwaltung mit, dass unmittelbar nach Abgabe der Unterschriftenlisten die Prüfung der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens begonnen habe. Über das Ergebnis werde der Verwaltungsausschuss zeitnah entscheiden. Das zuletzt für Asylbewerber und davor als "Herbertusstube" und Pension genutzte Haus war 1910 von Ernst Engelke als "Klempnerei und Fahrradhandlung" gebaut worden. Später übernahm Schwiegersohn Ernst Herms den Betrieb, der ihn 1960 an den Installateur Walter Bruns verpachtete. Die Eheleute Jestel erwarben die Immobilie in den sechziger Jahren und eröffneten dort 1969 ihren Schnellimbiss. Foto: al

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