Schaumburger Wochenblatt
  1. 70 Jahre Polizei in Niedersachsen

    Festveranstaltung mit Innenminister Pistorius im Staatsbad Bad Nenndorf

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    Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung "Mit Erfahrung Zukunft gestalten", in der Wandelhalle in Bad Nenndorf, hat die Polizei Niedersachsen mit nahezu 300 geladenen Gästen, überwiegend Vertreter aus den verschiedensten Dienststellen und Einrichtungen der Polizei, die inzwischen schon 71-jährige Entwicklung aufgezeigt und den Blick in die Zukunft gerichtet. Landespolizeipräsident Axel Brockmann wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass sich das Berufsbild der Polizei, vor allem auch im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Wandel, in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert hat. Unabdingbar bleibe, dass die Polizei Niedersachsen auch weiterhin die gesellschaftlichen, technologischen und politischen Entwicklungen im Blick behalte und als stetig lernende Organisation vielversprechende neue Wege von Beginn an mit- beziehungsweise vorangehe. Festredner der Veranstaltung war Niedersachsens Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, der der Polizei im Land eine hervorragende Arbeit attestierte. Der Polizei sei es gelungen, sich immer wieder erfolgreich den Veränderungen und der Lebenswirklichkeit anzupassen. Organisationsveränderungen, Weiterentwicklung in technischen und taktischen Bereichen seien die Grundlage einer modernen Polizei. Als Herausforderungen der Zukunft stellte Minister Pistorius insbesondere die globale Vernetzung und Digitalisierung dar, aber warnte auch vor der spürbar gestiegenen Radikalität, mit der einige ideologisch Getriebene ihre Meinung in die Breite der Gesellschaft zu tragen versuchten. "Die größte Gefahr für den Staat bleibt weiterhin der Rechtsextremismus", betonte der Minister. "Die Polizei ist Bollwerk des Rechtsstaats und der Demokratie. Das soll sie auch bleiben." Pistorius stellte heraus, dass die Polizei Niedersachsen auch nach innen gerichtet eine sehr sensible und wachsame Organisation sei. Auch künftig werde es zu den grundlegenden Anforderungen an die Polizei gehören, Menschen unterschiedlicher Herkunft mit Respekt zu begegnen. Unvoreingenommenheit und Respekt seien nicht verhandelbar. Und fügte engagiert hinzu: "Unserer Polizei gebührt aber auch der Respekt, den sie auch den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber entgegenbringt." Vorwürfe, die niedersächsische Polizei hätte in eigenen Reihen ein rechtsextremistisches Problem, wies er als haltlos zurück. "Ich weiß, dass die meisten Polizisten auf festem demokratischem Boden stehen." Trotzdem kündigte er an: "Diese Vorwürfe sollen wissenschaftlich untersucht werden." Die Polizei Niedersachsen habe sich seit ihren Anfängen immer weiter zu der modernen und bürgernahen demokratischen Institution gewandelt, die sie heute ist. Im Jahr 2022 stünde eine fortschrittliche, aufgeschlossene und vielfältige Polizei bereit, die hervorragende Arbeit leiste. "Ich danke deshalb unseren Polizistinnen und Polizisten sehr für ihr tagtägliches Engagement: Mit Blick auf die Zukunft dürfen wir nicht nachlassen, das gilt für Aus- und Fortbildung, aber genauso für den digitalen und technischen Fortschritt wie auch die personelle und infrastrukturelle Weiterentwicklung." Es sei ein langer Weg für die Entwicklung der Polizei gewesen. "Von der Nachkriegspolizei in der britischen Besatzungszone, der es quasi an allem mangelte, was für die Polizeiarbeit benötigt wurde, hin zu einer hochtechnisierten und akademisierten Polizei." Als Geburtsdatum für die Niedersächsische Polizei gilt der 1. April 1951. Der Tag, an dem das vom Niedersächsischen Landtag beschlossene "Niedersächsisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung" in Kraft trat. Aufgrund der Corona-Pandemie war ein Festakt zu 70 Jahren Polizei in Niedersachsen im vergangenen Jahr nicht möglich und jetzt in Bad Nenndorf nachgeholt wurde. Nach einem Impulsvortrag des Polizeihistorikers Dr. Dirk Götting, der die Frage aufwarf, was es für die Polizei konkret bedeutet, aus ihrer eigenen Geschichte zu lernen, nahmen die Teilnehmer der Expertenrunde, unter Beteiligung des Innenministers, in einer Podiumsdiskussion den Ball auf und diskutierten den Einfluss gesellschaftspolitischer Entwicklungen auf die Polizei. Dabei ging es auch um die Frage, welche Fähigkeiten eine rechtsstaatliche Polizei in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft zukünftig benötigen wird. Hierbei sei das intensive Befassen mit der Polizeigeschichte innerhalb der Polizei ebenso wichtig, wie der Austausch mit Menschen und Institutionen der erinnerungskulturellen Arbeit außerhalb der Polizei, hieß es. Umrahmt wurde die Jubiläumsveranstaltung durch Themeninseln im Kurpark vor der Wandelhalle. Zahlreiche Stände informierte über aktuelle Schwerpunkte polizeilicher Arbeit und die vielfältigen Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten innerhalb der Polizei, die jedoch eher verweist blieben. Die Öffentlichkeit war darüber nicht im Vorfeld informiert oder gar zum Besuch der Informationsstände eingeladen worden. Eine verpasste Chance, wie unter den Gästen diskutiert wurde.

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