Das Schaumburger Wochenblatt berichtete im ersten von zwei Teilen bereits über die Rückkehr des Bibers in das Schaumburger Land und stellte dem Bibersachverständigen des Landes Niedersachsen, Ralf Schulte, Fragen zur Population von Bibern. Hier die Antworten:
SW: Herr Schulte, wo sind ihnen im Landkreis Schaumburg Biberpopulationen bekannt und in welchem Umfang?
Schulte: Die Rückkehr des Bibers nach Schaumburg erfolgt offenbar im nördlichen Landkreis in erster Linie über den Mittellandkanal. Die Tiere kommen aus östlichen Landesteilen. Mir bekannte Ansiedlungen sind in der Rodenberger Aue, der Bückeburger Aue oder dem Ziegenbach. Ob es sich um Einzeltiere, Paare ohne Nachwuchs oder Familien handelt ist im Moment nicht zuverlässig einzuschätzen. Deshalb wären Angaben zur Populationsgröße pure Spekulation. Im südlichen Landkreis erfolgt die Rückkehr in erster Linie über die Weser. Bekannt sind hier im Wesentlichen Vorkommen in der Weser selbst und in wesernahen Kiesgruben (Beispiel Hohenrode) sowie im Mündungsbereich von Nebenbächen oder -flüssen wie der Exter (Rintelner Hafen).
SW: Wo gibt es ihrer Meinung nach bei den in Schaumburg bekannten Populationen Probleme mit möglichen Hochwasserereignissen?
Schulte: Die Behauptung, dass Biber eine Gefahr bei Hochwasserereignissen sind, gehört ins wasserwirtschaftliche Märchenbuch. Hochwasserereignisse gehören zu den hauptsächlichen Todesursachen für Biber. Ein gewisses Risiko für Hochwasserschutzanlagen geht lediglich dann von Bibern aus, wenn sie durch steigende Wasserstände gezwungen werden, ihre Reviere aufzugeben und Notbaue in Schutzdeichen anzulegen. Dabei handelt es sich aber um Einzel- und Ausnahmefälle, die vom Katastrophenschutz beherrscht werden. Auch die Sorge, dass Biber mit ihren Dämmen Hochwasser verursachen oder verstärken ist unbegründet. Sie verlangsamen vielmehr den Abfluss und verteilen Wasser in der Landschaft. Hochwasserschäden werden zudem dadurch provoziert, dass man entgegen besseren Wissens in die Überschwemmungsgebiete der Flüsse baut. Aber natürlich kann es passieren, dass dort, wo Biber Dämme bauen und sich Teiche ausbilden, es auch zu lokalen Überflutungen oder Vernässungen kommen kann. Davon können eventuell Anrainer betroffen sein. Für solche Fälle bedarf es dann eines Bibermanagements, bei dem die Wasser- und Naturschutzbehörden zusammen mit den Unterhaltungsverbänden und Bibersachverständigen - wie zum Beispiel mir - beraten, was getan werden kann.
SW: Sie nennen die Exter als mögliche Ansiedlungsfläche für Biber. Dort soll er nach Angaben von Anthony Lee schon Burgen gebaut haben. Ist ihnen das bekannt und gibt es dort die von Ihnen genannten Konflikte Gemeinwohl-Interessen vs. Interessen von Landnutzern?
Schulte: Ich kenne eine Biberansiedlung im Rintelner Hafen, die sich auch in die Exter erstreckt. Von Burgen ist mir nichts bekannt. Ich sehe auch nicht, dass es dort absehbar zu einer Situation kommen könnte, die a) zur Gefährdung der öffentlichen Sicherheit führen würde, oder dass es erhebliche (das sind gemäß Rechtsprechung existenzbedrohende) Schäden geben könnte, die eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung rechtfertigen würde. Die Wasserführung der Exter ist im Rintelner Bereich auch so groß, dass Biber ohne Dämme dort existieren können.