Das WM-Tippspiel läuft bislang nicht gut für mich. Zugegeben, ich bin kein Fußballexperte.
Wer kann schon ahnen, dass Brasilien, die Niederlande und Spanien unentschieden spielen
werden. Ich jedenfalls nicht. Deshalb gibt es von mir keine Spieltipps an dieser Stelle. Ich
bleibe lieber bei Trivia-Wissen und einem biblischen Gedanken.
Zuerst zu den Fun Facts: Heute vor genau 25 Jahren verliert Titelverteidiger Deutschland
gegen Portugal und scheidet damit bereits in der Vorrunde der Fußball-Europameisterschaft
aus. Teamchef Erich Ribbeck gibt am folgenden Tag seinen Rücktritt bekannt. Aber in diesem
Turnier haben wir ja mal wieder ein Auftaktspiel gewonnen und bei allen WM-Titelgewinnen
gab es einen Auftaktsieg. Und noch etwas unnötiges Wissen zum Thema Fußball: Gestern, am
19. Juni, war der Weltkindertag des Fußballs. Er will darauf aufmerksam machen, dass Kinder
Sport und Bewegung brauchen. Doch zugleich war gestern auch Weltbummeltag. Angeblich
soll dieser Tag 1979 im legendären Grand Hotel auf Mackinac Island seinen Ursprung haben,
das mit seiner gut 200 m langen Veranda die längste der Welt besitzt.
Wie passt das beides zusammen? Ein Tag, der dazu anregen soll, langsamer zu gehen, die
Welt um uns herum bewusst wahrzunehmen, zu staunen und einfach da zu sein. Und dann
zeitgleich ein Welttag, der zum Sport einlädt. Viele verbinden mit dem Fußballplatz einen Ort
der Anstrengung und des Schweißes. Hier wird Bewegung und Wettkampf gefeiert, der
Drang, sich zu messen und zu wachsen.
Aber vielleicht sind beides ja doch Seiten derselben Medaille – des Lebens selbst.
Eine Bibelpassage erinnert uns daran, dass es im Leben immer beides gibt und beides
zusammengehört: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat
seine Stunde: Pflanzen hat seine Zeit, Ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; Weinen hat
seine Zeit, Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit; Suchen hat
seine Zeit, Verlieren hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, Reden hat seine Zeit“ (Prediger
3).
In diesen Zeilen steckt eine tiefe Weisheit: Zum Leben gehören die Aktion, die beherzte
Suche nach einem Ziel, aber auch das Empfangen und das Sich-Verlieren. Unser Leben
braucht beides – den Einsatz, der uns voranbringt, und die Gelassenheit, die uns atmen lässt.
Der Weltkindertag des Fußballs feiert die Freude am Spiel und Wettkampf. Der
Weltbummeltag erinnert uns zugleich daran, dass das Leben nicht nur aus Sprint und Action
besteht. Die Bedeutung des Flanierens liegt im Innehalten, im Staunen und im Entdecken der
kleinen, oft übersehenen Details des Lebens. Wir brauchen die Pause, das gemütliche Gehen
ohne Ziel, das uns wirklich bereichert. Und wenn man genau hinschaut, lebt auch der Fußball
von diesen Momenten der Stille: das Innehalten vor dem Elfmeter, das gemeinsame Lachen
nach dem Spiel, die Erinnerung an die Freude, die über den Sieg oder die Niederlage
hinausgeht.
Alles hat seine Zeit. In dieser Erkenntnis steckt eine Befreiung. Wir dürfen uns anstrengen,
aber wir müssen nicht immer funktionieren. Vielleicht ist das die Kunst: Leben wie ein gutes
Fußballspiel. Mit vollem Einsatz, mit Leidenschaft – aber auch mit Pausen, mit Lachen, mit
dem Wissen, dass nicht jeder Tag ein Finale sein muss. Manchmal reicht es, einfach nur
mitzulaufen. Oder sogar stehenzubleiben und die Welt um sich herum zu spüren. Die
Leichtigkeit des Lebens suchen, das Miteinander feiern.
Morgen ist übrigens Welttag des Händedrucks (es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt). Er
will dazu einladen, andere bewusst wahrzunehmen, Respekt zu bezeugen und mehr
authentische Begegnungen zu wagen. Auch dies hat seine wichtige Zeit.