Treffsicher startete Hannover 96 in Nürnberg auch. Doch dann kam die Aufholjagd der Gegner in der zweiten Halbzeit, die Manche an das Spiel gegen Bochum erinnerte, als Hannover 96 sich fast den Sieg wieder aus der Hand reißen ließ. Diesmal ist es passiert. Und das obwohl Mike Hanke mit zwei Kopfballtoren in der 12. und 39. Minute die Richtung bestätigte, in die 96 wollte: Offene Rechnungen in Nürnberg begleichen. Dank ihm, einem hervorragenden Torwart Robert Enke, der einige Angriffe auf sein Tor abwehrte und einem 1. FC, der weitere Torchancen vergeigte, schien die Rechnung erst noch aufzugehen. Gäbe es keine zweite Halbzeit mehr, in der sich das Blatt wenden kann: Der Anschlusstreffer von Zvjezdan Misimovic fiel in der 60. Minute. Danach ging es mit den Nürnbergern bergauf – und mit den Leinestädtern bergab. Christian Schulz musste nach einer umstrittenen Gelb-Roten Karte in der 83. Minute das Spielfeld verlassen. Alle guten Dinge sind drei, könnte sich Marek Mintal gedacht haben, als er mit seinem Ausgleichtreffer in der 89. Spielminute Hannover 96 wiederholt die drei Punkte versagte. „Er hat uns mal wieder alles verdorben”, ärgerte sich Enke, der gegen den Nahdistanzschuss keine Chance hatte. Doch er weiß auch, dass sich Hannover „an die eigene Nase fassen muss”. Obwohl Trainer Dieter Hecking die „effiziente, engagierte und kontrollierte Spielweise” lobte und das Unentschieden fast schon als Sieg feierte, zogen die Spieler die eine oder andere Lektion aus dem Spiel. Hanke bemängelte die fehlende Cleverness und Schulz stellte einen Kräfteverlust in der zweiten Phase fest, nachdem die Mannschaft in der ersten Halbzeit „richtig Power” gemacht hatte. Doch Selbstkritik ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Die nötige Portion Ärger um den verpassten Sprung in das obere Tabellendrittel spornt zusätzlich an. Im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen wollen die Roten „richtig” gewinnen. Doch mit dem „Wollen” ist es bekanntlich ja so eine Sache. Zu wünschen ist es ihnen.
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