Es dauerte einige Minuten, bis die Roten den natürlichen Respekt vor den Ballzauberern ablegen konnten. So kamen die Gäste im Anschluss an einen gewohnt gefährlich herein gezirkelten Ball Beckhams zur ersten dicken Chance: Der aufgerückte Senderos zwang 96-Keeper Robert Enke per Kopf zu einer ersten Glanztat (3. Minute). Enke scheint nach der dreimonatigen Verletzungspause wieder auf dem besten Weg zu alter Klasse. Einen 19-Meter-Drehschuss von Shevchenko fingerte Enke um den rechten Pfosten, wenig später riskierte der 96-Kapitän Kopf und Kragen gegen Inzaghi.
Die Roten spielten munter mit. Huszti war von Senderos im Strafraum gelegt worden, nachdem Rosenthal einen Fehler von Milans Linksverteidiger Antonini genutzt hatte. Huszti trat selbst zum verhängten Elfmeter an. Er scheiterte zunächst an Dida mit einem unplazierten Schuss. Der Nachschuss zappelte dank schneller Reaktion allerdings im Netz. Quicklebendig ging es weiter: Beckham zirkelte einen Freistoß knapp neben den linken Pfosten (12.). Inzaghi traf aus Abseitsposition nach Shevchenko-Zuspiel die Latte (21.), Stajner scheiterte auf der anderen Seite nach klasse Rausch-Flanke per Flugkopfball an Dida. Für Dauerspaß sorgte die Schlussphase des ersten Durchgangs: Rosenthal scheiterte zunächst mit einem Kopfball aus kurzer Distanz an Dida, den Nachschuss knallte Eggimann am rechten Pfosten stehend über die Querlatte (36.). Fünf Minuten später war der Schweizer erneut an einer starken Offensivszene der Roten beteiligt, als er eine Rechtsflanke von Schulz per Kopf auf den rechten Pfosten brachte, wo Fahrenhorst haarscharf verpasste (41.). Auch Rausch verpasste den Traum eines Treffers gegen das Weltteam nur knapp, als er von Huszti eingesetzt vom linken Strafraumeck zu einem Schlenzer ansetzte, aber an Dida scheiterte (42.).
In Hälfte zwei schienen die Favoriten ihre ganze Klasse zeigen zu wollen und legten los wie die Feuerwehr.
Zunächst zielte Flamini nach schneller Kombination knapp rechts vorbei (48.), dann verhinderte Enke den Ausgleichstreffer mit grandiosem Reflex gegen Shevchenko (51.). Fast wäre Rosenthal bei einem der in dieser Phase seltenen 96-Konter sogar das 2:0 gelungen.
Wie man effizient spielt, zeigten dann die Italiener mit einem Doppelschlag: Zunächst ging es nach einem Ballverlust Rauschs blitzschnell und Andrej Shevchenko ließ Enke per Flachschuss aus 17 Metern keine Chance (53.), dann hatte Inzaghi nach einer schnellen Traumkombination keine Mühe, abzustauben (55.). Shevchenko hatte rechts raus zu Antonini gespielt, der den italienischen Vollblutstürmer clever per Querpass einsetzte.
96 legte trotzdem noch eine tolle Schlussphase hin. Initialzündung war ein Distanzschuss Pintos, der die Querlatte knapp verfehlte (71.). Hanke konnte einen tollen Rausch-Pass nicht gewinnbringend verarbeiten (73.) Prächtig die Szene zum Ausgleich: Der eingewechselte Zizzo kam von rechts zu einer genauen Hereingabe, die Mike Hanke mit langer Fußspitze aus fünf Metern zum 2:2 in den linken Winkel bugsierte.
Der Jubel über den Ausgleich war kaum verhallt, da leitete Seedorf mit einer unnachahmlichen Szene den Mailänder Siegtreffer ein: Der Holländer setzte zu einem grandiosen Lupfer an, den Inzaghi in typischer Torjägermanier irgendwie an Enke und Co vorbeibrachte.