Die ergriffenen Maßnahmen verpufften. Insbesondere das neue angriffstaktische Verhalten verlor schnell jegliche Wirkung. Nur knapp eine halbe Stunde wirkte das Spiel der Roten verbessert. Es gab erfrischende Ansätze, die allerdings meist zu ungestüm endeten. Besonders Vahed Rama mangelte es am Blick für den besser postierten Mitspieler. Defensiv erzeugte das Innenverteidigerduo Christian Schulz und Karim Haggui. Ruhig und geordnet schien alles auf stabilem Weg.
Dann aber kam die 30. Minute. Albert Bunjaku vollstreckte freistehend zum 0:1. „Diesen Treffer müssen wir unbedingt verhindern”, motzte Slomka. Ein Gegentor mit nachhaltiger Wirkung. Die Roten verloren völlig den Faden. „Da merkt man einfach wo das Team steht”, erinnerte Slomka, nach der achten Niederlage in Folge. Die Sicherheit selbst in einfachen Situationen war futsch. Der Rückfall in die totale Verunsicherung perfekt. Das 0:2 (64. Minute) wirkte da denkbar einfach: Langer Pass, kurzer Blick, exakte Flanke, gezielter Schuss. Ein simples Muster, dass den Roten zwei Minuten später ebenfalls gelingt. Stajner markierte nach Vorarbeit von Balitsch das 1:2. Der Treffer bleibt ohne Signal. Kämpferischer Elan blieb Mangelware. So fiel das 1:3 (69.) zwangsläufig. Bunjaku krönte mit seinem dritten Tor seine Top-Leistung. Die verbleibenden 20 Minuten unterstrichen das Dilemma der Roten. Es gab keine ordnende Hand für eine Aufhojagd. Jan Rosenthal wirkte in der zentralen Mittelfeldrolle überfordert. Kapitän Arnold Bruggink tauchte auf dem Platz völlig unter. Der Tabellenvorletzte Nürnberg war einfach gut organisiert und nicht nur kämpferisch eine Klasse besser, wie schon vor zwei Wochen auch das Schlusslicht Hertha BSC. Die achte Niederlage in Folge zeigt den Roten nur ein grünes Signal: Freie Fahrt in Richtung zweite Bundesliga. Es fehlen einfach richtungsweisende Akzente. Da wirken die Worte von Christian Schulz schon wie ein Alibi: „Die Trainingsarbeit ist deutlich strukturierter geworden”. Einfach zu wenig, um das „Produkt Hannover 96” zu retten. Es herrscht Endzeitstimmung in der Leinemetropole. Eine Liste des Grauens erschüttert: 3:5 in Gladbach, 2:3 gegen Bochum, 0:3 gegen Hertha BSC, 0:1 in Mainz und nun 1:3 gegen Nürnberg. Alles Teams auf „Augenhöhe”, die dicken Brocken folgen nun allesamt. Ohne Erfolgserlebnisse könnte es Woche für Woche weitere Fans kosten. Foto: bb