Schaumburger Wochenblatt
  1. Spielen, spülen und "speeddaten"

    Volles Programm: Zu Besuch im Zeltlager der SG Jugendfeuerwehren

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    SAMTGEMEINDE RODENBERG/HALVESTORF (jl). Palmen biegen sich im Wind, Blumenketten tanzen auf Bambuszäunen, von einem Banner grüßt der Schriftzug "Aloha". Ein Hula-Rock schwingt an einem vorbei. Wer jetzt von einem hawaiianischen Urlaub träumt, erwacht nach einer kalten Nacht mit Tiefsttemperaturen von acht Grad in einem Zeltdorf auf dem nur gut 30 Kilometer entfernten Gruppen-Campingplatz Weserbergland in Halvestorf - gemeinsam mit 155 Teilnehmern aus elf Jugendfeuerwehren. Alle drei Jahre findet das Samtgemeindejugendfeuerwehr-Zeltlager statt. Das Schaumburger Wochenblatt hat die Camper am Montag besucht und zwischen Plastikmüllvermeidung und Baseball-Basketball Interessantes erlebt. 6 Uhr: Die ersten werden wach. Marcus Schmid, Leiter des Küchenteams, stellt auf dem Weg zur Dusche das Wasserbad für den Kakao an. "Wenn es so kalt ist, wollen die Kinder auch was Warmes", weiß er. Bis zu zwei Stunden brauche es, bis das Getränk auf Temperatur gebracht ist. 7 Uhr: Zeit, dass auch alle anderen aufstehen. Statt eines dröhnenden Basses aus der Musikanlage wecken die Betreuer die Schlafenden. "Laute Musik am frühen Sonntagmorgen kam bei den Dauercampern nicht so gut an", schmunzelt Samtgemeinde-Jugendfeuerwehrwartin Anja Falius, die mit ihren Stellvertretern Jenny Kracke und Florian Scholz die Lagerleitung innehat.8.06 Uhr: Die Spüldienst-Crew kaut die letzten Bissen, während die Schlange vor der Essensausgabe anwächst. Von Hektik jedoch keine Spur. Zwischen Brötchen und Obst gibt "Küchenchef" Schmid den Startschuss. Was auffällt: Kleinstverpackungen lassen sich auf dem Buffet lange suchen. Die Butter kommt aus einer eigens ausgeliehenen Portioniermaschine, die Marmelade aus Drei-Kilo-Eimern. Honig aus der Heimat wird in essbaren Schälchen ausgegeben, der Käse- und Wurstaufschnitt in Alubehältern, die die Fahrbereitschaft vom regionalen Schlachter holt. Es sei einfach einen Beitrag für die Umwelt zu leisten, sagt Schmid, "man muss nur einmal darüber nachdenken". Die Lunchpakete gibt es daher auch nicht mehr in Tüten, sondern in personalisierten Brotdosen. 8.13 Uhr: Die ersten acht Liter Kakao sind ausgetrunken. Gut, dass es nochmal so viel gibt… Bennet erhält zu seinem 15. Ehrentag einen Muffin mit Kerze. Insgesamt fünf Kids feiern ihren Geburtstag im Zeltlager. 8.30 Uhr: Das Frühstücksradio geht auf Sendung. Joko und Niklas spielen Musik und informieren über das Tagesprogramm und die Wetterprognose -"es wird wie gestern". Im Geschirrmobil herrscht nicht nur Hochbetrieb, sondern auch Tanzlaune. Der fünfköpfige Spüldienst um den Rodenberger Betreuer Nils, jede Wehr ist mal an der Reihe, nimmt das benutzte Geschirr entgegen, um es binnen drei Minuten in der Industriespülmaschine reinigen zu lassen. "Es gibt auch keine Joghurtbecher mehr bei uns", erzählt Falius. Der Nachtisch wird ebenfalls in abwaschbare Kompottschalen umgefüllt. 9 Uhr: Die Warteschlange hat sich aufgelöst, das Essenszelt leert sich zunehmend. Zeit für die Lagerleitung zu frühstücken. Das Trio erzählt, dass es einen eigenen Sanitätsdienst vor Ort gibt, der bisher aber noch arbeitslos gewesen ist. Um die Reinigung des Toilettenwagens wird sich durch den Nachtdienst ebenfalls selbst gekümmert. Jede Jugendfeuer muss einmal ran. Die Koordination läuft über das Ressort "Ordnung und Sicherheit". Währenddessen verteilt Nancy Krause die "Aloha-News", die zwölfseitige Lagerzeitung, die die 19-jährige Soldorferin gemeinsam mit Corinna Look (47) aus Lauenau jeden Tag erstellt. "Gestern waren wir tatsächlich mal um 23 Uhr fertig, die Tage davor erst um 1 Uhr", erzählt Look. 35 Exemplare werden in einem Wohnwagen gedruckt und per Hand geheftet. Neben Berichten und Bildern vom Tagesgeschehen können die jungen Menschen auch Grüße und "Liebesanzeigen" darüber verbreiten. Ein neues Kapitel ist die Gute-Nacht-Post -"eine weitere Idee zur Unterhaltung", wie Look verrät. Bis 20 Uhr können Notizen abgegeben werden, die nach dem Abendprogramm die Empfänger erreichen. 9.33 Uhr: In der improvisierten Zeltlagerküche beginnen das Großreinemachen und die Vorbereitungen für den kommenden Morgen, "damit wir nicht so früh aufstehen müssen", lacht Schmid. Während Jan (19) die Getränkebehälter abtrocknet, füllt die 17-jährige Malin den Honig um, eine Sisyphusarbeit. Insgesamt 2000 Schälchen stehen zur Verfügung, dass tatsächlich alle gebraucht werden, glaubt hier niemand. Lea reißt ein großes Butterpaket nach dem anderen auf, sechs Stück passen in den Behälter für die Portioniermaschine. "Acht sind heute früh durchgegangen", bilanziert sie. Macht zwei Kilo Butter - 200 Kleinstverpackungen, die eingespart wurden. 10.17 Uhr: Mögen die Spiele beginnen. Fünf bunt gemischte Mannschaften treten im Baseball-Brennball-Turnier gegeneinander an. Jeden Tag stehen Spaß-Wettbewerbe auf dem Programm, außer am Mittwoch. Da ist Besuchertag mit anschließendem Grillen. 12 Uhr: Verschnaufpause beim Mittagessen. Es gibt Schnitzel, Gemüse und Rösti. 14 Uhr: Jauchzen und Anfeuerungsrufe beleben wieder das Zeltdorf. Die Turniermannschaften messen sich noch einmal in Treffsicherheit und Schnelligkeit. Gleichzeitig basteln Kreativköpfe noch mehr Hula-Ketten selbst. 18 Uhr: Stärkung beim Abendes sen. 20 Uhr: Das abendliche Unterhaltungsprogramm beginnt - anders als geplant. Statt der Show des Jugendforums, bestehend aus den Sprechern der Jugendfeuerwehren, initiieren Mädels aus der Soldorfer Gruppe ein Speeddating, aus dem gleich mehrere "Paare des Abends" hervorgehen. Foto: jl

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