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Ursula Mücke unterstreicht die guten Partnerschaften zu Kendal und Slawno. (Foto: ste)

Hochwasserschutz: Ähnliche Probleme in Kendal und Rinteln

1992 gründete sich in Rinteln der Verein für Städtepartnerschaften und pflegt seitdem die Partnerschaften mit Kendal in England und Slawno in Polen. Besonders mit den Briten verband Rinteln nach dem Ende des zweiten Weltkriegs viel, denn mit der Prince-Rupert-School (seit 1972 in Rinteln) und dem Britischen Militärhospital (seit 1945 in Rinteln, war zuvor Reservelazarett der Wehrmacht) gab es gleich zwei Einrichtungen in der Stadt, die Menschen und Kaufkraft in Rinteln brachten. Allein im Britischen Militärhospital erblickten rund 50.000 britische Kinder das Licht der Welt. Vor Kendal und Slawno hatte Rinteln eine Städtepartnerschaft mit Emmen in den Niederlanden. Doch die 1955 ins Leben gerufenen Partnerschaft lief letztlich ins Leere und wurde nicht weiter gepflegt. Mit Kendal und Slawno ist das anders, so die Vorsitzende des Vereins, Ursula Mücke. Sie stellte auf der Jahreshauptversammlung die zahlreichen Aktivitäten zwischen den Städten vor und dabei fiel auf, dass Rinteln und Kendal auch in Sachen Katastrophenschutz eine Menge verbindet. Denn Kendal hat auf seinem Ortsgebiet den „River Kent“ und der trat vor etwa zehn Jahren katastrophal über die Ufer. Die Europäischen Union unterstützte daraufhin Kendal bei seinem Hochwasserwasserrisikomanagementprogramm, das Mücke vorstellte. Auf 40 Seiten wird textlich und bildlich dargestellt, wie sich Kendal nicht nur gegen künftige Hochwasser rüsten möchte, sondern auch, wie man mit gezielten Schutzmaßnahmen die Lebensqualität am Fluss steigern kann. Dazu gehören auch großflächige Hochwasserschutzwälle aus Natursteinen. Der „River Kent“ ist es auch, den Jonathan Cornthwaite aus Kendal regelmäßig zum Schwimmen nutzt. Er möchte das auch einmal in Rinteln probieren und als kleinen Vorgeschmack auf das Weserwasser schickte Ursula Mücke ihm eine handgefertigte und limitierte Flasche mit original Weserwasser. Der Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins wurde in diesem Jahr außerplanmäßig nur für ein Jahr gewählt, weil im kommenden Jahr sowohl Mücke als Vorsitzende als auch Roswitha Hoekstra als Beisitzerin für Kendal ihre Ämter zur Verfügung stellen wollen. Bis dahin jedoch hat der Verein mit Bernhard Wünsche und Detlef Süllwold als Stellvertreter Mückes, Sabine Thoke als Kassiererin, Tobias Möller als Schriftführer und Karin Olschewski als Beisitzerin für Slawno noch so einiges vor. Am 7. März ist ein Empfang im polnischen Konsulat in Hamburg mit Rintelner Beteiligung geplant, vom 25. bis 29. März gibt es einen Bürgermeisterdelegationsbesuch in Slawno und am 17. Mai ist bereits wieder „Mayor Making“ in Kendal. Eine deutsch-polnische Fahrradtour ist geplant, es gibt Besuchsankündigungen zum Altstadtfest in Rinteln und im August hofft der Verein auf die Einweihung des Kunstwerkes von Georg Schmidt-Westerstede an seinem neuen Platz im Baugebiet auf dem ehemaligen Prince-Rupert-School Areal. Eine ganz besondere Reise nach Kendal soll vom 24. bis 29. September stattfinden.
Die Ehrenamtlichen aus den Wehren erhalten die Hochwasser-Ehrennadeln des Landes Niedersachsen als dankbare Anerkennung für außergewöhnliche Hilfeleistung. (Foto: ste)

Dankbare Anerkennung für außergewöhnliche Hilfeleistung

Das Land Niedersachsen hat nach Mitteilung im Niedersächsischen Ministerialblatt vom 9. Juli 2024 festgelegt, dass „...als Zeichen dankbarer Anerkennung für die außergewöhnliche Hilfeleistung der zahlreichen ehren- und hauptamtlichen Einsatzkräfte bei der Hochwasserlage 2023/2024 in Niedersachsen“ die Landesregierung die Hochwasser-Ehrennadel 2023 des Landes Niedersachsen an alle diejenigen verleiht, die als ehrenamtliche oder hauptamtliche Einsatzkräfte bei der Hochwasserbekämpfung tätig waren. In Rinteln immerhin 350 Feuerwehrleute, so Stadtbrandmeister Tim Schinz auf der festlichen Verleihungsparty in der Aula des Gymnasium Ernestinum (ErnA). Bürgermeisterin Andrea Lange begrüßte die Feuerwehrleute der Rintelner Wehren und stellte fest: „Während andere Menschen zum Weihnachtsfest ihren Braten genießen, mussten die Feuerwehrleute in den Einsatz ziehen!“ Vom Heiligen Abend 2023 bis zum 28. Dezember seien die Freiwilligen fast durchgängig im Einsatz gewesen. „Dies ist auch ein Beweis dafür, dass wir es schaffen, gemeinsam Hilfe zu leisten und niemand schaut auf die Uhr“, so Lange. Stadtbrandmeister Tim Schinz ließ die Ereignisse noch einmal Revue passieren. Am 23. Dezember habe man die Entscheidung gefällt, „...vor der Lage“ zu leben und zu arbeiten und bereits Sandsäcke gefüllt. Das Ziel: „Wir wollten den Kameradinnen und Kameraden ein Weihnachten zu Hause ermöglichen!“ Das war dann wohl nichts, stellte Schinz fest, denn am 24. Dezember stieg der Pegel der Weser rasant an und um 21 Uhr wurde die Leitstelle besetzt und es gab bereits 22 Einsätze. Dann startete die Aktion „Sandsäcke füllen“, insgesamt waren es im Laufe der Tage etwa 110.000. Am 25. Dezember immer noch hohes Einsatzaufkommen, Einrichtung eines Bereitschaftsplatzes auf dem Gelände der Lebenshilfe un dum 12.30 Uhr lag der Pegel bei bedrohlichen 6,50 Metern. Dann wurde der Damm am Helenensee überschwemmt, der See lief voll. Am 26. Dezember, morgens um 4 Uhr, 6,60 Meter Weserpegel und in Folge kam es sogar zu einer Evakuierung von Bewohnern der Ost Contrescarpe. In Zahlen waren das 2.000 Einsatzkräfte, 350 Kameradinnen und Kameraden aus Rintelner Wehren, 21.500 Stunden ehrenamtliche Hilfe, 150 Einsatzstellen abgearbeitet und rund 110.000 Sandsäcke verbaut. „Dabei hat sich keine Einsatzkraft verletzt“, freute sich Schinz. Und eine Wehr ragte besonders mit ihrer Leistung hervor, denn ohne eine vernünftige Einsatzverpflegung, gewährleistet durch die Uchtdorfer Blauröcke, funktioniert ein Mehrtageseinsatz nuneinmal nicht. Auf der Bühne der ErnA erhielten dann alle Wehrmitglieder die Niedersächsische Hochwasser-Ehrennadel und Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote freute sich, dass das Land Niedersachsen nach dem Hochwasser dafür sorgte, dass der Landkreis Schaumburg eine weitere Sandsackfüllmaschine und ein Hochwasserschutzsystem erhielt.
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