Schaumburger Wochenblatt
  1. Verstehen, respektieren und unterstützen

    Neue Medienlotsen wollen erstes Beratungsnetzwerk schaffen / Vor- und Nachteile vermitteln

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    LANDKREIS (pp). 16 frisch ausgebildete Medienlotsen haben im Kreishaus von Kreisjugendpfleger Andreas Woitke ihre Zertifikate in Empfang genommen. In Zukunft wollen die Lotsen Schulen, Eltern und andere Interessierte bei Fragen zu (oder Problemen mit) den "neuen Medien", besonders Computerspielen und der Internetnutzung, helfen. Dazu soll ein Netzwerk gebildet werden; der Erstkontakt läuft über Andreas Woitke unter der Telefonnummer 05721-703-304, der dann vermittelnd tätig wird. Die Anrufe sind auch anonym möglich.

    "Meine Tochter wurde selbst über das Internet gemobbt und ich fühlte mich mit diesem Problem ziemlich alleine. Jetzt möchte ich anderen Menschen in vergleichbaren Situationen helfen", verdeutlichte Andrea Dollak aus Lindhorst ihre Motivation, an der viertägigen Fortbildung teilzunehmen. Angesprochen wurde sie über die Schule. Letzteres gilt auch für Elternvertreterin Sonja Brandt, die sich über die Vorreiterrolle des Landkreises bei der Bildung des Beratungsnetzwerks freut. "Das Verständnis für die neuen Medien ist in großen Teilen der Bevölkerung noch relativ gering ausgeprägt", so ihre Einschätzung.

    Referent Moritz Becker vom "smiley e. V. Hannover" riet den Seminarteilnehmern, dem Nachwuchs zu vertrauen. "Erwachsene müssen begreifen, dass ihre Kinder oft genauso verzweifelt sind wie sie selbst. Sie trauen sich aber vielfach nicht, mit den Eltern über die Probleme zu reden." Ein vertrauensvolles Verhältnis sei daher wichtig, ein Verbot der Internetnutzung dagegen nicht sinnvoll. Tatsache ist, dass Kinder und Jugendliche bei der Fülle von positiven wie auch negativen Möglichkeiten moderner Medien Begleitung, Unterstützung und Orientierung brauchen – hier setzt die Arbeit der Medienlotsen an.

    Um Verständnis für die Jugend zu wecken, lies Becker seine Gruppe das Internet "mit den Augen eines Zwölfjährigen" durchstöbern und selbst "Counterstrike" spielen. Dabei zeigte sich schnell, dass auch die Erwachsenen von dem "Killerspiel" in den Bann gezogen wurden. "Man kann mit Menschen nur auf gutem Niveau über Computerspiele reden, wenn sie vorher selbst gespielt haben", ist Becker überzeugt.

    So entstanden interessante Diskussionen und Denkanstöße zu den Themen Spielsucht oder Cyber-Mobbing.Wertvolle Informationen erhielten die Medienlotsen auch von Andreas Bergmann, dem Präventionsbeauftragten der Polizei, und Dennis Beike von der Drogen- und Jugendberatung des Diakonischen Werks. "Wir haben hier ein tolles Angebot", warb Beike. Infos gibt es unter www.evangelische-beratung.de, Beike ist unter der Mailadresse beike@diakonisches-werk-stadthagen.de oder unter 05721-993030 erreichbar. Für Andreas Woitke ist die Zusammensetzung der Gruppe ein Glücksfall. Im Alter von Anfang 20 bis Anfang 60, aus verschiedenen Berufen und Kulturkreisen stammen die Medienlotsen. Die verschiedenen Fähigkeiten und Zugänge zu unterschiedlichen Gruppen sollen in Zukunft gebündelt werden.

    Eine weitere Schulung soll bei entsprechender Nachfrage durchgeführt werden. Foto: pp

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