Schaumburger Wochenblatt
  1. Solidarität statt Egoismus: Nenndorf greift Unternehmern unter die Arme

    Samtgemeinde bietet Hilfskredite und Nachbarschaftshilfe an / Ordnungsamt kontrolliert Umsetzung der Auflagen

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    SAMTGEMEINDE NENNDORF (jl). Ein Samtgemeindebürgermeister, der sich mitten in eine leere Fußgängerzone stellt und an die Bevölkerung appelliert, den Solidaritätsgedanken stärker denn je zu leben: Mike Schmidt hat bei Facebook am Mittwoch ein Video hochgeladen, das binnen drei Stunden 1000-mal aufgerufen, mehr als 90-mal geteilt wurde und 50 Kommentare zählte. Hintergrund ist das Corona-Virus, das auch Nenndorf fest im Griff hat. Mehr noch: "Das ist eine Katastrophe, die an Existenzen geht", um es mit den Worten des Verwaltungschefs zu sagen. Daher hat die Samtgemeinde nach eigenen Angaben zu einer der größten Solidaritätskampagnen aufgerufen. Schmidt, in der Fußgängerzone der Kurstadt stehend, springt den heimischen Unternehmen im Namen der Verwaltung zur Seite: "Wir sind für Sie da! Sie können sich an uns wenden, egal ob es Hilfskredite, finanzielle Möglichkeiten oder Nachbarschaftshilfen sind." Dafür steht das Rathaus-Team telefonisch unter 05723/7040 zur Verfügung. Schmidts Dank geht dabei persönlich an Marion Schulz in der Telefonzentrale, sonst zuständig für das Beschwerdemanagement, wie er gegenüber dem Schaumburger Wochenblatt sagt. Statt defekter Straßenlaternen würden jetzt Existenzsorgen gemeldet. Er spricht von einer "besonderen Situation", die ein Dankeschön wert sei. Wie auch in dem 2:29 Minuten langen Spot zu sehen ist, herrscht gähnende Leere vor den Geschäften in der Fußgängerzone. Die meisten waren zu dem Zeitpunkt bereits geschlossen. Die, die noch unerlaubterweise offen hatten, erhielten am Mittwoch Besuch von zwei Mitarbeitern des Ordnungsamts. Insgesamt zehn Ladenbesitzer hätten diese aufklären müssen, dass sie bis 13 Uhr dichtzumachen haben, wie der Verwaltungschef auf Nachfrage des Wochenblatts erzählt. Die Aktion sei mit der Polizei abgestimmt gewesen, falls es unerwartet Widerstand gegeben hätte. Dieser sei aber ausgeblieben, die Betroffenen hätten sich einsichtig gezeigt. Schmidt kündigt zwar "sporadische Nachkontrollen" an, allerdings sei auch die "Sozialkontrolle" groß- offene Geschäfte würden wohl umgehend aus der Bevölkerung gemeldet. Auch am Donnerstag waren Ordnungsamtsmitarbeiter auf Patrouille. Diesmal ging es um die Auflagen für das Gastronomiegewerbe. "Wir kontrollieren, ob alle Vorkehrungen getroffen und zum Beispiel die Tischabstände eingehalten wurden", erklärt Schmidt. In die Kamera schauend fordert der Samtgemeindebürgermeister jeden einzelnen auf: "Jetzt müssen wir Solidarität mit unserem Gewerbe zeigen!" Er appelliert an die Bürger, Einkäufe wie die neuer Kleidung über große Versandhändler à la Amazon zu überdenken. Auch viele heimische Läden würden Onlinebestellungen anbieten. Um zu sammeln, welche Betriebe wann geöffnet sind, einen Onlineshop betreiben sowie telefonische Bestellungen und Gutscheine bieten, bittet er um Posts unter besagtem Video und E-Mails an info@badnenndorf.de. Das Ziel dahinter: Die noch verfügbaren Dienstleistungen bewerben. Die Übersicht soll auf der Internetseite www.ilovebadnenndorf.de (Schmidt: "Die wollen wir nicht nur in Zeiten der Freude nutzen") veröffentlicht und ständig aktualisiert werden. Die Aktion kommt gut an. In den zahlreichen Kommentaren ist neben ersten Geschäftsinfos unter anderem auch von einem "vorbildlichen Krisenmanagement", einer "perfekten Aktion" und einem "super Statement", an dem sich andere Verwaltungen ein Beispiel nehmen sollten, die Rede. "Wir beeinflussen selbst, wie unsere Städte nach der Krise aussehen", schreibt ein Nutzer und plädiert: Was nicht nötig sei, sollte aufgeschoben und später in den Fachgeschäften vor Ort gekauft werden. Foto: jl

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