Schaumburger Wochenblatt
  1. Betreiber von Fitnessstudios: "Wir wollen wieder Gas geben"

    Betreiber sind besorgt: Die Schließung sei nicht nur finanziell, sondern auch gesundheitlich eine Katastrophe

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    LANDKREIS (jl). Während kontaktlose Sportarten sowie das Training auf Outdoor-Anlagen seit mehr als zwei Wochen unter Einhaltung von Abstandsregeln wieder möglich sind, dürfen jetzt auch Fitnessstudiobetreiber hoffen. Nach dem Fünf-Stufen-Plan der niedersächsischen Landesregierung sollen Indoor-Sportanlagen, wozu auch Fitnesscenter zählen, ab Montag wieder geöffnet werden. Diese Entscheidung war längst überfällig, findet Denis Klünder, Inhaber der "Aktiv Gesundheitszentren" unter anderem mit Standort in Lauenau: "Wir wollen wieder Gas geben - und die Leute auch." Genauso sieht es Heiner Cronjaeger vom Sportpark Bad Nenndorf. Er sagt: "Wir müssen wieder öffnen, wir wollen hier alle ins Wirtschaftsleben zurückfinden." Die beiden Betreiber sind sich einig, dass der wirtschaftliche Schaden das eine ist - Mieten, Nebenkosten und Leasinggebühren für Trainingsgeräte laufen weiter. Dazu Klünder (35), der mit 23 Jahren sein erstes von heute sechs Studios in der Region eröffnet hat: "Man hat sich was aufgebaut und viel investiert - jetzt ist viel Geld draufgegangen." Das andere ist die Gesundheit der Menschen, die ihnen Sorge bereitet. "Gerade unsere älteren Kunden, die sonst regelmäßig dreimal die Woche zu uns kommen, müssen wieder bei Null anfangen, für die ist das eine Katastrophe", erklärt Cronjaeger. Stetige Bewegung ist gut, klar. Aber, betont auch Branchenkollege Klünder: Um den mit zunehmendem Alter fortschreitenden Muskelschwund aufzuhalten, reiche es laut Wissenschaft nicht aus, spazieren zu gehen, Fahrrad zu fahren oder zu joggen. "Die Muskeln sind das A und O für unseren Körper, sie müssen speziell trainiert und erhalten bleiben." Wenn nicht, schmerzten als Folge die Gelenke, die Beweglichkeit leide und das Risiko für Krankheiten wie Diabetes und Krebs sowie für Herzinfarkte steige. Livekurse wurden von "Aktiv"-Trainern zwar über die sozialen Medien angeboten und auch "ganz gut angenommen". Sie seien aber eher dazu da, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten. "Der Hauptteil will an die Geräte gehen und seine Muskeln trainieren", weiß Klünder. Im Sportpark habe man sich mangels expliziter Nachfrage gleich gegen Onlineangebote entschieden. Warum andere, nicht lebenswichtige Einrichtungen wieder öffnen durften, Fitnessstudios aber nicht, kann sowohl der "Aktiv"-Chef als auch Cronjaeger nicht nachvollziehen. "Wir sind gerade in der jetzigen Situation dafür da, die Menschen fit und gesund zu machen", bringt es Klünder auf den Punkt. Cronjaeger spricht von Gesundheitsschutz und Lebensqualität. Dabei sei es auch in den Fitnessstudios möglich, Hygiene- und Abstandsvorschriften einzuhalten. Einzig das Sporttreiben mit Mundschutz halten die beiden für nicht praktikabel. Der Einlass könne auf eine bestimmte Personenzahl beschränkt werden, durch das Einchecken der Sportler wäre die etwaige Nachverfolgung einer Infektionskette jederzeit möglich. Duschen und Saunabereich könnten gesperrt werden ebenso wie einzelne Geräte, wenn sich anders die Abstandsregeln nicht einhalten ließen, und Desinfektionsspender seien auch schon vor Corona überall installiert gewesen. Zudem könne mit Handschuhen trainiert und die Öffnungszeit ausgedehnt werden. Das alles wäre ohne großen Aufwand umsetzbar, "um wenigstens ein bisschen was zu tun, damit das Herz, das Knie oder der Rücken nicht wieder Probleme machen", wie Klünder betont. Zudem verweist er darauf, dass seine Studios "keine Massenbetriebe wie in Großstädten mit 6000 oder 7000 Quadratmetern" seien. Der 35-Jährige denkt auch seine insgesamt 55 Mitarbeiter. "Alle warten darauf, wiederkommen zu dürfen und aus der Kurzarbeit zu kommen." Das Positive in der Krise: "Die Solidarität ist da", sagt Klünder. "Der Großteil der Mitglieder zahlt weiterhin die Beiträge." Unter anderem über Gutscheinsysteme können diese auf Wunsch wieder erstattet werden. Auch der Sportpark-Betreiber spricht von "keinen massiven" Kündigungen. Bei ihm wird die Schließzeit an den Vertrag angehängt. Foto: jl

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