Schaumburger Wochenblatt
  1. "Wir können gar nicht so viel aufnehmen wie wir an Anfragen haben"

    Zahl der ausgesetzten und abgegebenen Nager steigt

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    BAD NENNDORF (jl). Weggeworfen wie Müll: Zwischen entsorgtem Hausrat in einem Graben in Haste liegen auch zwei Kaninchen. Als sie eine Joggerin findet, leben sie nicht mehr. Das Tragische: Dieser Vorfall ist zwar besonders perfide, das Aussetzen der Nager jedoch kein Einzelfall. Der Anruf zum Fund der leblosen Tiere erreichte Jutta Schneider, Vorsitzende des Tierschutzes Rodenberg und Bad Nenndorf. "Was wir da erlebt haben, sprengt den Rahmen", schüttelt sie den Kopf. Ob die beiden Kaninchen bereits tot waren, als sie samt Transportkörben abgestellt wurden, muss noch eine Untersuchung klären. "Die Boxen waren total versifft", erinnert sich Schneider. Die Tür einer Kiste habe offen gestanden, der Kadaver davor gelegen. Einer habe eine blutige Schnauze gehabt. Selbst wenn die Tiere bereits verendet waren -"dann darf man sie nicht einfach in Wald und Wiesen aussetzen", ärgert sich die Tierschützerin, die neben dem Veterinäramt und der Polizei zu dem Fall hinzugezogen worden war. Haltung nicht artgerecht Nachdem es länger ruhig geblieben ist, steigt die Zahl zurückgelassener oder abgegebener Nager laut der Vereinschefin seit Jahresbeginn an. Sie seufzt: "Es ist erschreckend", und spricht von einem "Boom": "Wir können gar nicht so viel aufnehmen wie wir an Anfragen haben." Gedämpft werde die Vermittlung auch deshalb: Viele Menschen gingen in Zoofachgeschäfte, "weil sie lieber Babys wollen", wie Tierheimleiterin Adina Fuchs anmerkt. Erst im vergangenen Jahr landeten auf einmal 17 Kaninchen aus der Samtgemeinde Rodenberg in der hiesigen Tierauffangstation, die die Besitzerin bei ihrer überforderten Mutter zurückgelassen hatte. In einem anderen Fall in Nordrhein-Westfalen konnten die Tierschützer elf Deutsche Riesen aus schlechter Haltung herauskaufen. Die Metallkäfige waren Schneider zufolge viel zu klein gewesen für die mehr als acht Kilogramm schweren Tiere, die sich kaum um ihre eigene Achse hätten drehen können. Fehlhaltung ist aus Sicht von Schneider eines der größten Probleme und betrifft in ihren Augen 80 bis 90 Prozent der Nagetiere: "Irgendwann geht die Lust verloren, dann landen die Tiere in der hintersten Ecke." Dazu gehöre auch, dass viele missachteten, dass Nager Gesellschaftstiere seien. Dabei spricht Schneider von einem "stummen Leiden", da sie sich weniger bemerkbar machen könnten. Dabei schätzt Schneider die Dunkelziffer recht hoch. Ihr Appell: "Die Leute sollen sich mit uns in Verbindung setzen und nicht die Tiere einfach irgendwo abstellen - wir versuchen eine Lösung zu finden." Spende Zurzeit beherbergt das Tierheim acht Nager, weitere seien bei einer Tierschützerin privat untergebracht. Das Gehege des Kaninchenhauses soll demnächst erweitert werden. Dafür gab es jetzt eine Spende von fast 680 Euro, die eine Mitarbeiterin und eine ehrenamtliche Tierschützerin mit dem Verkauf von Gebackenem und Gebasteltem gesammelt hatten. Foto: jl

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