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Christine und Heinz Pohl heute: Ein schönes Zuhause, ihre Tiere und Autos prägen ihren <br>Tagesablauf.  (Foto: ste)

„Was machen eigentlich...?“ Christine und Heinz Pohl

Im Rahmen der Serie des Schaumburger Wochenblatt „Was macht eigentlich...?“ sind wir in dieser Ausgabe verabredet mit Christine und Heinz Pohl. Die beiden 75-jährigen mit dem Namen Pohl waren quasi das Synonym dafür, wenn man ein Taxi brauchte. „Ruf mal Pohl an!” In den 1960er Jahren gründete Gerhard Pohl das Unternehmen und schon er setzte darauf, dass Taxi-Pohl immer die saubersten und schönsten Autos auf die Straße brachte. Seine schwarzen Mercedes glänzten in der Sonne und wenn man als Kind am Pferdemarkt am Taxi von „Puschen Pohl”, wie sein Spitzname lautete, vorbeikam, kurbelte er das Fenster runter und verteilte „Bollchen”. Heinz Pohl weiß noch genau, dass sein Vater oft mit Filzpuschen hinter dem Lenkrad saß und jedes Jahr bekam er zum Weihnachtsfest ein Paar neue. Die Philosophie von Gerhard Pohl „...aus dem Bett, Jacke an und los” übernahmen später auch Christine und Heinz Pohl. Doch erst einmal lernte Heinz Pohl Autoschlosser bei – natürlich – Mercedes und Christine Krankenschwester. In der Fahrschule lernten sich beide kennen und nach einigen Stationen in Fremdunternehmen in Bückeburg und Minden übernahmen sie Ende der 1970er Jahre das Unternehmen „Taxi Pohl” mit der markanten Rufnummer 5574, die später von Heinz Bruder Siegfried übernommen wurde. Denn auch Siegfried Pohl war mit Leib und Seele Taxifahrer und genauso bekannt wie einst Vater Gerhard und später sein Bruder Heinz. Zu Hochzeiten hatten Christine und Heinz Pohl fünf Autos laufen, eines schöner als das andere. Stolz zeigt Heinz Pohl die Schmuckstücke der verschiedenen Baureihen, immer aufgepimpt mit Chrom, immer blitzeblank, immer tippi toppi sauber im Innenraum. Rinteln hatte in diesen Zeiten noch reichlich Gaststätten und Kneipen, Discos wie das „Bonanza”, „Revanche”, „Rintintin” und Barbetriebe wie das „Mon Cherie” am jetzigen Standort des WEZ und natürlich die „Babalou Bar”. Die „heißeste Nummer” sei jedoch die „Taverne” in der Weserstraße gewesen. Dazu kamen Etablissements, die nur in Taxifahrerkreisen bekannt waren, wie etwa ein Betrieb in Westendorf. Zu diesen Zeiten gab es reichlich Fahrten mit englischen Soldaten, die aus Detmold, Lemgo, Minden und Hameln nach Rinteln zum Feiern kamen und die ordentlich Geld in den Taxikassen spülten. Allerdings auch so manche unschöne Erinnerung an Flatulenzen nach reichlich Biergenuss oder auch abrupte Stopps zur Magenentleerung der Fahrgäste. Christine und Heinz Pohl spulten Kilometer für Kilometer ab, hatten reichlich festangestellte und aushelfende Mitarbeitende und mussten dennoch nach der Weserbrückensperrung 1989 feststellen, dass der Konkurrenzdruck hoch war und die Einnahmen rückläufig. Heinz übergab sein Geschäft an Bruder Siegfried und fuhr bei anderen Unternehmen in Bückeburg weiter Taxi. Schnell stellte er jedoch fest, dass das nicht seine Welt war und kaufte sich wieder einen eigenen Wagen. Sein neuer Slogan mit neuer Telefonnummer: „14771 – Und schon kommt Pohl-Men Heinz!” Das neue Taxiunternehmen legte einen Raketenstart hin und Christine und Heinz waren wieder das Maß der Dinge. Dann das wohl schlimmste Ereignis, was man sich als Fahrer vorstellen kann. Bei einer Fahrt nach Lemgo wurde Heinz Pohl unter Vorhalt einer Waffe ausgeraubt. Der Täter konnte später gestellt werden und hatte auch noch einen Banküberfall hingelegt. Doch rückblickend betrachtet habe man fast ausschließlich gute Erfahrungen mit den Gästen gehabt, so Christine Pohl, die die Arbeit im Taxi mit einer Sozialstudie von Menschen vergleicht: „Man lernt die Fahrgäste und ihr Verhalten zu lesen!” Und die schönsten Tage seien immer die gewesen, wenn die Lohntüten an die Mitarbeiter in den Rintelner Firmen ausgegeben wurden: „Dann ging es gleich nach der Arbeit gar nicht erst nach Hause, sondern nach Minden oder sonstwohin, wo es Bordelle gab!” Das Unternehmen gibt es heute nicht mehr. Heinz Pohl pflegt aber noch immer seine Liebe zu Autos und hat die schönsten Stücke seiner Taxigeschichte noch im eigenen Besitz. Christine musste ihre Liebe zu Pferden mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, arbeitet aber immer noch in der Lebenshilfe: „Um ein wenig unter Leuten zu sein!” Mit der Polizei, so Heinz Pohl, habe er nur wenig schlechte Erfahrungen machen müssen: „Der Führerschein war allerdings einmal weg, als ich mit 102 durch Kleinenbremen geblitzt wurde!” Es musste halt immer schnell gehen.
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