Schaumburger Wochenblatt
  1. VON BERND ALTHAMMER Ein kunter...

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    VON BERND ALTHAMMER Ein kunterbuntes Bild füllt die ganze Wand aus. Der flüchtige Blick könnte eine Blumenwiese vermuten lassen. Doch beim näheren Hinsehen schälen sich Silhouetten heraus. Frauen sind es, denen Zoë MacTaggart bestimmte Lebenssituationen zuordnet. Die Künstlerin hat ihre neue Heimat in einem alten Fachwerkhaus in Messenkamp gefunden. Für ihr Atelier aber entdeckte sie ein ganz besonderes Ambiente: das alte Amtsschloss in Lauenau. "Jetzt habe ich eine 'Burg'", strahlte sie vor einigen Wochen bei der Einweihung der Räume, in denen sie ihre ganze Kreativität walten lassen will. Längst weiß sie, dass der Volksmund dem alten Gemäuer diesen Namen gegeben hat und dass die dicken Wände so manches geschichtsträchtige Ereignis umgaben. Ihr gefällt das jetzt eher beschauliche Dasein auf dem Land. Die Tochter einer deutschstämmigen Mutter und eines britischen Vaters hat ein eher unstetes Leben hinter sich. Weil der Großvater im diplomatischen Dienst tätig war, "sind wir überall in der Welt sehr viel umgezogen". Und als die gebürtige Göttingerin das Studium in Kunst und Sport in Hannover begann, glaubte sie, hier am besten aufgehoben zu sein. Folgerichtig blieb sie in der Landeshauptstadt, weil sie hier die Kontakte fand, die ihrem Lebensziel entsprachen: "Ich wollte von Anfang an mit der Kunst mein Geld verdienen." So konzentrierte sie sich auf das aus ihrer Sicht Wesentliche. "Jeder weitere Job hätte doch nur Energien abgezogen." Das hinderte sie jedoch nicht daran, zehn Jahre lang eine eigene Musiksendung bei einem Lokalsender zu moderieren und als Gastdozentin tätig zu sein. Stipendien, Ausstellungen und die Meisterschule bei dem Berliner Ausnahmekünstler und Pop-Art-Maler Andora ließen sie ihre eigene Richtung finden: den Menschen und speziell die Frau in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. "Männer", sagt sie, "haben schon oft Frauen gemalt. Nun sollen Frauen auch von Frau dargestellt werden". Dass sie dies nicht drastisch und in dunklen Tönen macht, sondern bewusst mit hellen Farben eine positiv stimmende Darstellung sucht, geschieht aus ganzer Überzeugung: "Meine Bilder sind Kraftspender!" Der Blick des Betrachters soll sich öffnen "für ein Funkeln und Leuchten als ginge eine Tür auf". Das müssen nicht die raumtragenden Gemälde sein, für die die Künstlerin ein besonderes Faible besitzt. "Ich male auch in klein", verweist sie auf Bilder für die normale Wandgröße oder auf ihre Zeichnungen, die mit nur wenigen Strichen alles Wesentliche erfassen. Sie vermarktet ihre Arbeiten selbst - über Ausstellungen und Veranstaltungen und auch auf der eigenen Website. Bei Letzterer "war ich wohl eine der Ersten, die diese gute Möglichkeit überhaupt für sich erkannt hat". Und weil es eben das Internet gibt, konnte sie sich irgendwann ein Leben auf dem Land vorstellen. "Natürlich habe ich das Stadtleben genossen - von einer Party zur nächsten." Doch der Wunsch wuchs, abseits des Trubels sesshaft zu werden, auch weil sich damit die erklärte Tierliebe erfüllen ließ. Fast wäre ein Objekt am Rande der Region Hannover zum Zuge gekommen; doch "dann haben wir Messenkamp entdeckt". Das auch optisch ansprechende Fachwerkhaus in der kleinen Nebenstraße mit ausreichend großem Grundstück wurde zum "Glücksfall"- und zum Platz für die Ergänzung des familiären Umfelds: der schottische Hirtenhund "Hanni", drei Katzen, zwei Schweine "und vielleicht auch bald ein Pferd". Wieder spielte der Zufall eine wichtige Rolle, als ihre Suche nach einem geeigneten Atelier begann. "Aus ökonomischen und ökologischen Gründen" wollte sie nicht mehr nach Hannover pendeln, auch weil die dortige Kooperation mit anderen Künstlern sich allmählich zerschlagen würde. Wieder war es ein Gespräch, das den Weg zur Lauenauer "Burg" wies. Hier fühlt sie sich nicht minder geborgen, auch wenn die dicken Wände und die hohen Räume in der kalten Jahreszeit den Betrieb eines Ofens fordern. "Aber dann habe ich mein Winteratelier in Messenkamp", freut sie sich über die Alternative. Doch ab dem Frühjahr genießt sie das Ambiente in Lauenau, wenn die Sonne durch die kleingegliederten Fensterscheiben mit ihren bunten Bildern um die Wette strahlt.

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