„Was macht eigentlich...?“ - Thomas Priemer
Im Rahmen der Serie des Schaumburger Wochenblatt „Was macht eigentlich...?“ sind wir in dieser Ausgabe verabredet mit Thomas Priemer, von 2014 bis 2021 Bürgermeister der Stadt Rinteln und zuvor von 2006 bis 2014 Bürgermeister im Auetal. Wir treffen uns in seinem Haus in Todenmann mit tollem Blick in Richtung Norden auf den Wald und im Süden auf die Stadt. „Hier“, so Priemer, „sagen sich am Abend Fuchs und Waschbär gute Nacht!“ Und das sei auch gut so. Der Hauskauf sei ein echter Glücksgriff für ihn und seine Frau gewesen. Priemers privates Leben startete in Möllenbeck und am Rintelner Wirtschaftsgymnasium absolvierte er 1978 sein Abitur, mit dem er seine berufliche Karriere am 1. Juli 1978 mit einer sechsjährigen Unteroffizierslaufbahn bei der Bundeswehr begann. „Nebenbei konnte ich beim Bund noch einen Beruf erlernen und startete 1985 beim Landkreis Schaumburg mit der Verwaltungsfachangestellten Prüfung.“ Nach drei Jahren Studium konnte sich Priemer Dipl. Verwaltungswirt nennen und arbeitete dann beim Landkreis Schaumburg in verschiedenen Ressorts. Dann wechselte er nach Bad Eilsen und hatte dort das Glück, dass er in verschiedenen Verwaltungsbereichen wie Immissonsschutzrecht, Abfallrecht, Wasser- und Abwasserrecht sowie Ordnungs- und Baurecht und auch Sozialrecht viel Erfahrung sammeln konnte. Im Jahr 2000 ging es dann für ihn ins Auetal, wo er 2006 Bürgermeister wurde. Acht Jahre später kandidierte er dann für das Bürgermeisteramt in Rinteln und wurde 2014 Bürgermeister für sieben Jahre, bis ihn 2021 Andrea Lange ablöste. Doch so richtig Ruhestand hat er erst seit November 2025, denn bis dahin arbeitete er bei der Firma „PricewaterhouseCoopers GmbH“ (PwC) vorwiegend am Standort Düsseldorf und war dort tätig als Vermittler der Firma zur kommunalen Seite mit dem Schwerpunkt Energiewirtschaft: „Ich wusste aus eigener Erfahrung, wie man im Rathaus denkt, vor allem wenn die Kassen knapp sind!“ An Rintelns Stammtischen wurde jedoch über Priemers Tätigkeit nach Ende seines Bürgermeisteramtes ganz anders gesprochen: „Ich kann aber jedem versichern, dass ich nie in einer Pizzakartonfabrik gearbeitet haben“, schmunzelt Priemer über dieses Märchen. Offensichtlich entstand das Gerücht dadurch, dass sich Priemer zu Amtszeiten intensiv für die Ansiedlung einer entsprechenden Firma in Rintelns Industriegebiet einsetzte: „Ich wollte die 35 Millionen Euro Investition unbedingt nach Rinteln holen“, so Priemer. Das sich am Ende nicht alle Versprechen der Firma erfüllten, das sei nicht Schuld der Verwaltung. Als seine größten Erfolge als Bürgermeister sieht Priemer die zahlreichen sozialen Errungenschaften Rintelns wie ausreichend Kita-Plätze und ein richtig tolles Mehrgenerationenhaus mit hochengagierten Mitarbeitenden. So richtig an die Nieren sei ihm der Umgang mit den ersten potenziellen Investoren am Brückentorkomplex gegangen. Auch sei er anfangs so naiv gewesen zu glauben, dass Jede und Jeder im Rat, auch ohne Mehrheiten, von sich sagen können sollte: „Ich habe mich eingebracht und es hat sich gelohnt!“ Einige, so Priemer, hätten ihn eines Besseren belehrt und sich nur eingebracht, um sich selbst zu profilieren. Heute ist Thomas Priemer ein echter Privatier. Er engagiert sich noch mit viel Herzblut im Vorstand der Bürgerstiftung Schaumburg und seine Lieblingsprojekte sind die Wassergewöhnung für Kinder in Kooperation mit der DLRG und das Umweltbildungszentrum „Wilde Karde“ in Seggebruch, wo bei Kindern im Grundschulalter das Interesse an der Natur geweckt werde. Sportlich war Priemer auch schon immer, hat aber mittlerweile mit Tennis abgeschlossen und läuft stattdessen durch den weitläufigen Wald oberhalb seines Hauses oder fährt über weite Strecken Fahrrad. „Auch mal nach Düsseldorf zu meiner Tochter; aber mit zwei Übernachtungen!“ Er und seine Frau Simone sind zweifache stolze Großeltern und seine musikalische Leidenschaft kann er jetzt noch intensiver ausleben als zu Berufszeiten. Seine Lieblingsband „Golden Earing“ gibt es leider nicht mehr, aber ihre Musik und die von „Led Zeppelin“ & Co. leben auf der Soundanlage von Priemer natürlich in bester Tonqualität weiter. Mit dem Abschlusssatz Priemers tun sich die Schalke-Finger des Schreibers dieser Zeilen zwar schwer, aber seine Leidenschaft zu Fußball und hier Borussia Dortmund muss natürlich noch erwähnt werden.