Schaumburger Wochenblatt
  1. Vorsicht vor unseriösen Züchtern und angeblichen „Rassehunden“

    Jutta Schneider vom Tierschutzverein appelliert: „Vorab mehr informieren“

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    Immer wieder stoßen Jutta Schneider, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rodenberg und Bad Nenndorf, und ihre Mitstreiter auf Hunde, die bei ihr in der Tierauffangstation landen und keine seriösen Papiere besitzen. Oftmals werden solche Tiere über Plattformen wie ebay Kleinanzeigen jedoch als angebliche "Rassenhunde" verkauft. "Aber einen Rassenhund bekommt man nicht für wenige hundert Euro", erklärt sie. Die Hündin Kaja, die Ende des Jahres in die Tierauffangstation kam (wir berichteten), erlitt ein ähnliches Schicksal. Von einem Züchter in NRW wurde sie über die Online-Plattform verkauft. Die Familie, die den Welpen kaufte, erhielte eine Überlassungsvereinbarung mitsamt Urkunde und Ahnentafel. Doch bereits nach wenigen Tagen bemerkte die Familie, dass der Welpe sie überforderte. Kurz darauf kam Kaja in die Tierauffangstation. Mittlerweile wurde die Hündin erfolgreich vermittelt, doch auch Jutta Schneider bemängelt die Unseriösität des Züchters, aus dem Kaja kommt. So lassen "dubiose Formulierungen" in der Überlassungsvereinbarung, wie zum Beispiel "Zur Beschaffenheit des Tieres gehört die Veranlagung, jederzeit von jeder […] bedrohenden Krankheit befallen werden zu können", Schneider aufhorchen. "In meinen Augen handelt es sich bei diesem Züchter um keinen seriösen", sagt sie. Auch die Familie, die Kaja kaufte, kam der Züchter im Nachhinein unseriös vor. Doch entmutigt durch die Formulierungen im Vertrag und dem Fakt, dass jener seine Geschäftsstelle in NRW hat, den Sitz aber im Osten, gaben sie die Hündin lieber an den Tierschutz. Sie appelliert deshalb, sich vor dem Kauf eines angeblichen Rassehundes intensiv mit dem Züchter oder dem Züchter-Verein auseinander zu setzen. "Nicht alles, was auf einem laminierten Papier steht, sollte man glauben", sagt sie. Astrid Galka, Tierärztin und Hundetrainerin, erklärt zudem, dass man sich auch von Hundetrainern vor der Anschaffung eines Hundes beraten lassen kann. Sie selbst wurde in den fünf Jahren, die sie bereits in dem Beruf tätig ist, jedoch nur zwei Mal angesprochen. "Viele wollen für sowas kein Geld ausgeben. Hinterher landet der Hund aber in der Tierauffangstation und in den Tierheimen", erklärt sie. Hunde werden immer jünger Vor allem sogenannte "Gebrauchshunde" wie Schäferhund, Rottweiler und Malinois - also Hunde, die ursprünglich für den Dienst gezüchtet wurden - landen in letzter Zeit oft in der Tierauffangstation. "Diese Rassen brauchen viel Bewegung und Kopfarbeit und sind nicht leicht an der Leine zu halten. Damit kommt nicht jeder klar", erklärt Galka. Hinzu kommt, dass solche Hunde teilweise mit 7 bis 10 Monaten in den Tierheimen landen - viel zu jung also. "Ein so schneller Besitzerwechsel ist nicht gut für die Psyche des Hundes", sagt sie. Galka rät deshalb, sich vor dem Kauf auch mit den Bedürfnissen und dem Wesen der Rasse auseinander zu setzen und nicht nach Optik zu kaufen. Noch mehr Tiere können die Tierauffangstation sowie die Tierheime im Umkreis übrigens kaum noch aufnehmen. "Wir bekommen jeden Tag Mails, ob wir Hunde jeglichen Alters und Rasse aufnehmen können, aber das ist fast unmöglich", resümiert Schneider. Erst kürzlich kam Leo in die Tierauffangstation. Gerade mal sechs Monate jung, ist er bereits durch drei Hände gegangen. Eine Familie hatte den Junghund von einem Züchter gekauft, aber nach ein paar Monaten auf ebay Kleinanzeigen inseriert. Dort wurde er für wenige hundert Euro verkauft. Die neue Besitzerin stellte Leo kurz darauf erneut auf der Plattform online - für deutlich mehr Geld, als sie bezahlt hatte. Durch einen Vorfall kam Leo jedoch in die Tierauffangstation. Wenn er nun vermittelt wird, kommt er damit schon in die fünfte Hand. "In seinem jungen Alter macht mich das einfach sprachlos", sagt Schneider. Foto: jb/privat

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