Schaumburger Wochenblatt
  1. "Hunde ab einem Euro auf Ratenzahlung gesucht"

    Tierschutz warnt vor Internethandel: "Das sind keine gebrauchten Autos"

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    BAD NENNDORF (jl). "Suche Hunderüden. Kleine Rasse. Bitte erstmal alles anbieten. Auch ohne Papiere - 1 € VB." Eigentlich dürfe Jutta Schneider derartige Anzeigen im Internet - diese wurde wörtlich genauso ins Netz gestellt - nicht mehr lesen. Zu groß sei der Frust. "Das ist für mich immer wieder erschreckend", wendet sie sich jetzt an die Öffentlichkeit. Welpen auf Ratenzahlung gesucht; abzugebende Hunde auf Verhandlungsbasis: "Das sind doch keine gebrauchten Autos oder Waschmaschinen", ärgert sich die Vorsitzende des Tierschutzes Rodenberg/Bad Nenndorf. "Das sind Lebewesen!" Erst dieser Tage habe sie, Schneider, eine Annonce entdeckt, in der eine Frau Welpen auf Ratenzahlung ab einem Euro suchte. Sie rief an und hakte nach.. Mehr als 250 Euro wolle und könne sie nicht aufbringen, soll ihr die Mutter eines kleinen Kindes entgegnet haben. Dafür hätten ihr andere Anrufer aber nur ungeimpfte und ungechippte Hunde angeboten -"da weiß man doch, wo die herkommen", schimpft die hiesige Tierschützerin. Sie meint den dubiosen Hundehandel etwa mit illegal eingeführten Tieren, der dadurch forciert werde. Später am Telefon gab sie sich zu erkennen und versuchte zu belehren. Schließlich drängte sich ihr auch die Frage auf, wie jemand ein Tier versorgen möchte, der schon für die Anschaffung kein Geld hat. Ob die Dame am Ende einsichtig war? "Ich weiß es nicht", zuckt Schneider mit den Schultern. Darauf gebracht, mal wieder einen Blick ins Internet zu werfen und noch einmal zur Sensibilisierung aufzurufen, habe sie ein Herr, der seinen Australian Shepherd-Schäferhund-Mix für einen Euro ohne Vertrag ebenfalls in einem Onlineportal angeboten, am Ende aber deutlich mehr Einsicht gezeigt hatte. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin stieß zufällig darauf und informierte den Verein. Schneider rief umgehend an und fragte nach, ob der Besitzer es ernst meine. Ja, tue er. Er sei überfordert mit dem Hund. Er habe schon viele Anrufe bekommen. Am darauffolgenden Tag wollte er die keine 15 Monate alte Hündin nach Nordrhein-Westfalen bringen. Eigentlich. Die Vorsitzende redete ihm ins Gewissen. Erfahrungen und Beobachtungen zeigten einfach, dass in solchen Fällen die Hunde oft für eine deutlich höhere Summe ganz schnell erneut im World Wide Web landen und "von A nach B wandern". Dass es da nur ums Geldverdienen gehe, die Hunde verscherbelt würden.. Jetzt wartet Sky, so heißt die junge Mischlingsdame, in der Tierauffangstation auf ein neues liebevolles Zuhause. Dass das ehemalige Herrchen sich zu diesem Schritt entschlossen hat, rechnet Schneider ihm hoch an. Sie wolle auch niemanden verunglimpfen, aber - zum wiederholten Male - davor warnen, es zu unterschätzen, welchen Hund man sich anschafft. Sky sei regelrecht ein Powerhund, der ausgelastet werden müsse. Und noch etwas wurmt die Vereinschefin. Nur weil auf der Webseite des Tierschutzvereins lediglich zwei Hunde vorgestellt werden, heißt das nicht, dass er jede Menge freie Kapazitäten hat. "Dann sind wir oftmals trotzdem voll - mit Problemhunden, die wir zunächst einschätzen und mit denen wir trainieren müssen", so Schneider. Zurzeit sind es insgesamt fünf Hunde, darunter ein schwieriger Altdeutscher Hütehund mit Leinen- und Maulkorbzwang und eine rumänische Straßenhündin. Dadurch zieht sich die Arbeit bis zur Vermittlung. Am Ende gelinge diese aber meist, auch dank der Mitarbeiter, die den Tieren eine Struktur geben, und "unserer tollen Gassigänger, auf die 100 Prozent Verlass ist", lobt Schneider. Die Vermittlung läuft übriges auch während Corona weiter - allerdings nach Terminvereinbarung. Noch bis nach den Sommerferien bleibt die Tierauffangstation für den Publikumsverkehr geschlossen. Foto: jl

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